Das Cybersicherheits-Startup Hilt hat den Abschluss einer Seed-Finanzierungsrunde über 4,2 Millionen Dollar bekannt gegeben und gleichzeitig seinen Stealth-Modus verlassen sowie seine Plattform vorgestellt, die ungewöhnliche Datenaktivitäten erkennen und stoppen soll. Damit steigt die Gesamtfinanzierung des Unternehmens auf 4,7 Millionen Dollar, nachdem Pear VC im Oktober 2025 eine Pre-Seed-Runde über 500.000 Dollar angeführt hatte.
Die Runde wurde von Array Ventures angeführt, unter Beteiligung von Verdict Capital, Base10 Partners, Brickyard, Liquid 2 Ventures, Sequel, Sarah Smith Fund und Alumni Ventures. Hilt will die Finanzierung hauptsächlich für Einstellungen und den Aufbau seiner Marktpräsenz verwenden. Das Unternehmen beschäftigt derzeit 11 Personen, darunter den Mitgründer und CTO Alex Genest sowie den Gründungsingenieur Zin Bitar.
Von der Dateiüberwachung zur Analyse des Datenverkehrs
Die Hilt-Plattform überwacht, wie Daten durch Cloud-Infrastrukturen, Computer und Netzwerke übertragen werden, und erstellt anschließend Baselines für das normale Verhalten von Nutzern und Ressourcen. Die Plattform kann ungewöhnliche Aktivitäten melden, selbst wenn sie von einem Nutzer mit den erforderlichen Berechtigungen ausgeführt werden. In manchen Fällen kann sie die Aktivität auch während ihres Auftretens isolieren, anstatt das Sicherheitsteam erst nach dem Vorfall zu benachrichtigen.
Als Beispiel nannte das Unternehmen, dass eine nächtliche Anmeldung für einen Mitarbeiter, der gewöhnlich zu dieser Zeit arbeitet, normal sein kann. Sie wird jedoch verdächtiger, wenn sie von einem Mitarbeiter stammt, der normalerweise tagsüber arbeitet, insbesondere wenn dieser unmittelbar vor der Anmeldung sein Passwort geändert hat.
Hilt arbeitet auf Betriebssystem-Kernel-Ebene und übermittelt Aktivitätsdaten an Modelle neuronaler Graphnetzwerke, um anomale Muster zu erkennen. Gründer und CEO William „Will“ Cielen zufolge verschafft diese Ebene der Plattform Einblick unterhalb der verschiedenen Anwendungsschichten und bewahrt zugleich die Möglichkeit, sie in unterschiedlichen Umgebungen einzusetzen. Er erklärte außerdem, eine Messung bei einem Kunden habe nach der Einführung der Plattform eine Beschleunigung von Cloud-Systemen gezeigt, nannte jedoch keine weiteren Einzelheiten zu dem Test.
Ein Start im Hochfrequenzhandel
Die Produktidee entstand aus einem Gespräch zwischen Cielen und dem CTO eines großen Hedgefonds über ein Sicherheitsproblem in Hochfrequenzhandelssystemen. Dort werden Transaktionen innerhalb von Sekundenbruchteilen ausgeführt, und Sicherheitswerkzeuge, die eine spürbare Verzögerung verursachen, sind nicht akzeptabel. Laut Cielen stellte der Fonds einen potenziellen Vertrag im Wert von ein bis zwei Millionen Dollar in Aussicht, wenn Hilt das Problem lösen könne, und zahlte bereits vor der Fertigstellung der Lösung einen sechsstelligen Betrag im Voraus.
Das Unternehmen arbeitet weiterhin mit dem Hedgefonds zusammen und hat ein weiteres Hochfrequenzhandelsunternehmen hinzugewonnen. Cielen erklärte, die Zahl der Kunden habe sich im darauffolgenden Monat nach der Intensivierung der Marketingaktivitäten verdoppelt, nannte jedoch keine Gesamtzahl.
Warum ist diese Nachricht wichtig?
Die Bedeutung von Hilts Ansatz liegt darin, dass er auf eine Art von Vorfällen abzielt, die nicht unbedingt wie ein herkömmlicher Angriff aussieht: die Nutzung gültiger Berechtigungen durch einen Mitarbeiter, einen verbundenen Lieferanten oder einen KI-Agenten auf eine Weise, die vom üblichen Muster abweicht. Dadurch rücken der Verhaltenskontext und der Datenverkehr in den Mittelpunkt, nicht nur Dateien, Signaturen oder bekannte Bedrohungen.
Das Unternehmen erklärt, dass Kunden das Produkt innerhalb ihrer eigenen Infrastruktur betreiben, sodass ihre Daten unter ihrer Kontrolle bleiben, und jährliche Gebühren für jeden Datensammler zahlen. Dieses Modell könnte dabei helfen, Banken, Gesundheitsunternehmen und professionelle Dienstleister anzusprechen – Branchen, die neben Handelsunternehmen Interesse an der Plattform gezeigt haben.
Allerdings enthält der Bericht keine Angaben zur Zahl der Kunden, zu unabhängigen Ergebnissen zur Messung der Genauigkeit oder zu Einzelheiten des Tests, der die Cloud-Leistung verbessert haben soll. Auch die Behauptungen zur sofortigen Unterbindung und zum Betrieb auf Kernel-Ebene werden nach den verfügbaren Informationen durch Aussagen des Unternehmens und seiner Investoren gestützt, nicht durch eine veröffentlichte externe Bewertung. Daher bleiben die Expansion über den Finanzsektor hinaus und die Erprobung der Plattform in unterschiedlichen Betriebsumgebungen wichtige Indikatoren dafür, inwieweit sie ihre Versprechen einlösen kann.