Das Federal Bureau of Investigation (FBI) und die Cybersecurity and Infrastructure Security Agency (CISA) haben eine gemeinsame Warnung vor intensiven Cyberaktivitäten herausgegeben, die weltweit auf industrielle Kühlsysteme und Überwachungssysteme der Kühlkette (Cold-chain) abzielen. Die Warnung, an der auch die US-Ministerien für Gesundheit, Landwirtschaft und Verkehr beteiligt waren, bestätigte, dass Angreifer versuchen, Zugriff auf Temperatursteuerungseinheiten in kritischen Sektoren wie dem Gesundheitswesen, der Lebensmittelproduktion, chemischen Anlagen und dem Transportwesen zu erlangen.
Angriffsmechanismus und daraus resultierende Risiken
Laut der gemeinsamen Erklärung nutzen Angreifer Schwachstellen in elektronischen Steuergeräten aus, denen es an Sicherheitsupdates mangelt oder die direkt mit dem Internet verbunden sind. Diese Geräte ermöglichen es Betreibern, Temperaturen aus der Ferne zu überwachen, Abtauzyklen (Defrost cycles) zu verwalten und die Kühlgeräte zu steuern.
Hacker nutzen Techniken wie die Umgehung der Authentifizierung (Authentication bypass), die Einschleusung von beliebigem Code (Arbitrary code injection) oder die Ausnutzung schwacher Einstellungen, um Temperaturen gewaltsam zu verändern. Zu den wichtigsten Risiken dieser Angriffe gehören:
- Beschädigung von Lebensmittelvorräten und empfindlichen medizinischen Produkten.
- Verkürzung der Lebensdauer von Kühlgeräten durch unregelmäßigen Betrieb.
- Brandgefahr durch die Belastung der Systeme.
- Verlust der Sichtbarkeit und der Fähigkeit, die tatsächlichen Temperaturen zu überwachen, was es Betreibern verhindert, Fehler zu erkennen.
Was verändert diese Bedrohung tatsächlich?
Diese Bedrohung stellt einen gefährlichen Übergang von Angriffen, die auf digitale Daten abzielen, zu Angriffen auf die betriebliche Technologie (OT) dar, bei denen Software-Schwachstellen zu greifbaren physischen Auswirkungen in der Realität führen. Es geht nicht mehr nur um den Diebstahl von Informationen, sondern um eine direkte Bedrohung der Ernährungssicherheit und der öffentlichen Sicherheit.
Europa hat bereits die Auswirkungen dieser Angriffe erlebt; im vergangenen Oktober waren zwischen 250 und 350 Supermärkte in Frankreich Angriffen ausgesetzt, die zur Aktivierung von Abtaufunktionen und zum Anstieg der Temperaturen führten. Auch die französische Blutspendedienst-Organisation (EFS) meldete einen Vorfall, der die Kühleinstellungen in drei Einrichtungen zur Lagerung von Blutprodukten beeinträchtigte.
Empfohlene Schutzmaßnahmen
Um diesen Bedrohungen entgegenzuwirken, haben die US-Behörden eine Reihe technischer Empfehlungen für Unternehmen ausgesprochen:
- Systemisolierung: Trennung von OT-Systemen (Operational Technology) von allgemeinen Geschäftsnetzwerken.
- Zugangssicherung: Entfernung von Steuergeräten aus dem öffentlichen Internet und Sicherung jeglichen notwendigen Fernzugriffs.
- Identitätsmanagement: Ändern von Standardpasswörtern und Anwendung strenger Authentifizierungsrichtlinien.
- Kontinuierliche Aktualisierung: Anwendung aller verfügbaren Sicherheitsupdates, um Schwachstellen zu schließen.
- Physische Überwachung: Festlegung sicherer Temperaturgrenzen, um zu verhindern, dass Steuergeräte außerhalb der akzeptablen Bereiche arbeiten.