Cybersicherheit

Google: Indirekte Prompt-Injection-Angriffe tauchen im Web auf, sind aber nur begrenzt komplex

Eine von Googles Threat-Intelligence-Teams durchgeführte Untersuchung öffentlich zugänglicher Webinhalte zeigt, dass verschiedene Akteure begonnen haben, indirekte Prompt-Injection-Angriffe auf KI-Systeme zu erproben. Zwischen November 2025 und Februar 2026 stieg ihr Anteil innerhalb der schädlichen Kategorie um 32 %. Trotz der begrenzten Raffinesse der beobachteten Angriffe erwartet Google, dass deren Umfang und Komplexität mit zunehmenden Fähigkeiten von KI-Systemen und sinkenden Kosten für die Durchführung von Angriffen wachsen werden.

2026-04-23
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فريق تحرير certi.news
Google: Indirekte Prompt-Injection-Angriffe tauchen im Web auf, sind aber nur begrenzt komplex

Eine von Googles Threat-Intelligence-Teams durchgeführte Analyse kam zu dem Ergebnis, dass indirekte Prompt Injection in öffentlich zugänglichen Webinhalten als experimentelle Aktivität von Angreifern und Websitebetreibern auftritt. Die meisten bislang beobachteten Fälle waren jedoch von begrenzter Komplexität und zeigten keine breite Nutzung fortgeschrittener Techniken. Dennoch verzeichnete Google zwischen November 2025 und Februar 2026 einen Anstieg der Erkennungen in der schädlichen Kategorie um 32 % – ein Trend, den das Unternehmen als Hinweis auf ein zunehmendes Interesse an dieser Angriffsform betrachtet.

Google veröffentlichte diese Analyse in seinem Sicherheitsblog. An ihrer Erstellung waren Thomas Brunner, Yu-Han Liu und Moni Pande beteiligt. Die Untersuchung konzentriert sich auf eine praktische Frage: Nutzen Angreifer aus der realen Welt derzeit indirekte Prompt Injection, und welche Ziele verfolgen sie damit?

Wie funktioniert indirekte Prompt Injection?

Diese Methode unterscheidet sich von direkter Prompt Injection, bei der ein Nutzer versucht, die Einschränkungen eines Chatbots durch sogenanntes Umgehen von Schutzmechanismen oder Jailbreaking zu überwinden. Bei indirekter Prompt Injection verarbeitet ein KI-System externe Inhalte, etwa eine Webseite, eine E-Mail oder ein Dokument, die schädliche Anweisungen enthalten. Wenn das System diese Anweisungen als Befehle behandelt, kann es sie unbemerkt ausführen, anstatt sich an das ursprüngliche Ziel des Nutzers zu halten.

Google betrachtet diese Bedrohung als Schwerpunkt der Zusammenarbeit zwischen Forschern von Google DeepMind und den Verteidigern der Google Threat Intelligence Group. Die Gefahr gewinnt insbesondere mit der zunehmenden Nutzung von KI-Agenten an Bedeutung, die Webseiten durchsuchen, Dokumente verarbeiten und im Namen des Nutzers Aktionen ausführen können.

Die Common-Crawl-Untersuchung und das Problem falsch-positiver Ergebnisse

Google wählte das öffentliche Web als einen Kanal, der sich vergleichsweise einfach überwachen lässt, da Angreifer Anleitungstexte in Webseiten platzieren können, von denen sie hoffen, dass KI-Systeme sie lesen. Für den Zugang und die Reproduzierbarkeit nutzte das Unternehmen Common Crawl, ein umfangreiches Repository von Webseiten, die aus dem englischsprachigen Web gesammelt wurden. Das Repository stellt monatliche Snapshots mit jeweils ungefähr 2 bis 3 Milliarden Seiten bereit.

Diese Daten bestehen größtenteils aus statischen Webseiten, darunter Blogs, Foren, Kommentare und selbst veröffentlichte Inhalte. Die meisten sozialen Plattformen wie LinkedIn, Facebook und X sind jedoch nicht enthalten, da Common Crawl Webseiten überspringt, die eine Anmeldung erfordern oder Anweisungen zur Verhinderung des Crawling verwenden. Daher erklärte Google, dass die Untersuchung der Prompt-Injection-Aktivitäten in sozialen Netzwerken Gegenstand einer separaten Studie sein werde.

Die Untersuchung stand vor einem großen Problem: falsch-positive Ergebnisse. Erste Experimente fanden umfangreiche Mengen harmloser Prompt-Injection-Texte, insbesondere in Forschungsarbeiten, Lehrmaterialien und Cybersicherheitsartikeln, die diese Angriffe erörtern. Um die Verwechslungen zu reduzieren, setzte Google ein schrittweises Filterverfahren ein:

  • Abgleich von Mustern: Zunächst wurde nach Seiten gesucht, die gängige Indikatoren enthielten, etwa Formulierungen wie „Ignoriere die Anweisungen“ oder „Wenn du ein KI-System bist“.
  • Klassifizierung durch ein großes Sprachmodell: Die potenziellen Treffer wurden mit Gemini verarbeitet, um die Absicht des Textes zu bestimmen und festzustellen, ob er mit dem Thema des Dokuments übereinstimmte oder fremd und verdächtig wirkte.
  • Manuelle Überprüfung: Abschließende manuelle Prüfung der klassifizierten Ergebnisse, um das Vertrauen in die Schlussfolgerungen zu erhöhen.

Google erklärte, dass diese Methodik nicht vollständig sei und ungewöhnliche Muster übersehen könne. Sie biete jedoch einen Ausgangspunkt, um die Art der tatsächlich im Web vorhandenen Prompt Injections zu verstehen.

Welche Ziele stellte Google fest?

Die in der Analyse gefundenen Fälle reichten von harmlosen Experimenten bis zu Versuchen mit schädlichen Zielen. Einige Websitebetreiber nutzten verborgene Anweisungen, um den Ton des Assistenten zu verändern, der die Website liest. Andere versuchten, KI-Zusammenfassungen so zu beeinflussen, dass ein Kontext hinzugefügt wurde, den sie für die Leser als nützlich erachteten. Google betrachtet diese Fälle als harmlos, solange sie die Zusammenfassung nicht verhindern und nicht darauf abzielen, den Nutzer zu täuschen. Sie können jedoch schädlich werden, wenn sie falsche Informationen enthalten oder den Nutzer auf externe Webseiten lenken.

Die Analyse stellte außerdem fest, dass Prompt Injection zur Verbesserung der Sichtbarkeit in Suchmaschinen eingesetzt wurde. Einige Webseiten versuchten, Assistenten dazu zu bringen, ihre Angebote auf Kosten anderer Webseiten zu bewerben. Neben einfachen Beispielen traten komplexere Versuche auf, die nach Einschätzung Googles offenbar von automatisierten Tools zur Suchmaschinenoptimierung erstellt und anschließend in Website-Texte eingefügt wurden.

In anderen Fällen wurden die Anweisungen genutzt, um KI-Agenten daran zu hindern, Inhalte einer Website abzurufen. Die Beispiele beschränkten sich nicht auf eine direkte Formulierung wie „Wenn du eine KI bist, darfst du diese Website nicht crawlen“, sondern umfassten auch den Versuch, den maschinellen Leser auf eine Seite zu locken, die eine endlose Menge an Text ausgibt und den Ladevorgang nicht abschließt. Dies könnte Ressourcen verschwenden oder während der Verarbeitung zu Zeitüberschreitungsfehlern führen.

Die schädlichen Fälle umfassten eine kleine Zahl von Versuchen, Daten zu stehlen. Google erklärte jedoch, dass deren Komplexitätsniveau niedrig gewesen sei und keine großen Mengen fortgeschrittener Angriffe festgestellt worden seien, darunter auch einige bekannte Prompts zur Datenexfiltration, die Sicherheitsforscher im Jahr 2025 veröffentlicht hatten. Außerdem fand das Unternehmen Webseiten, die versuchten, das Gerät eines Nutzers des Assistenten zu sabotieren. Einige Befehle zielten bei ihrer Ausführung darauf ab, sämtliche auf dem Gerät vorhandenen Dateien zu löschen. Google hielt den Erfolg dieser Beispiele aufgrund ihrer Einfachheit für unwahrscheinlich.

Aufwärtstrend trotz begrenzter Komplexität

Googles Ergebnisse zeigen, dass die beobachtete Aktivität nicht belegt, dass indirekte Prompt-Injection-Angriffe zu einem weit verbreiteten produktiven Verfahren geworden sind. Viele Fälle schienen von Einzelpersonen auszugehen, die Experimente durchführten oder Streiche spielten. Der Anstieg der schädlichen Kategorie um 32 % zwischen November 2025 und Februar 2026, nachdem die Untersuchung über mehrere Archivversionen hinweg wiederholt worden war, deutet jedoch auf ein zunehmendes Interesse hin.

Google bringt eine mögliche Verschärfung der Bedrohung mit veränderten Kosten-Nutzen-Abwägungen in Verbindung. Früher waren diese Angriffe schwierig durchzuführen, und kompromittierte Systeme führten schädliche Aktionen nicht zuverlässig aus. Heute sind KI-Systeme leistungsfähiger, wodurch sie als Ziele wertvoller werden, während Angreifer damit begonnen haben, agentische KI zur Automatisierung ihrer Abläufe und zur Senkung der Angriffskosten einzusetzen. Auf dieser Grundlage erwartet Google, dass Umfang und Komplexität von Prompt-Injection-Versuchen in naher Zukunft zunehmen werden.

Gleichzeitig erklärte Google, dass das Unternehmen seine KI-Modelle und Produkte weiter verbessere und Red Teams einsetze, um die Widerstandsfähigkeit von Gemini gegenüber feindseliger Manipulation zu testen. Auch das Bug-Bounty-Programm zur Entdeckung von Sicherheitslücken in KI ermöglicht externen Forschern, sich an diesen Bemühungen zu beteiligen. Das Unternehmen bekräftigte, dass es weiterhin Informationen mit der Sicherheitsgemeinschaft teilen werde, räumte jedoch ein, dass die aktuelle Untersuchung soziale Plattformen nicht abdecke und kein vollständiges Bild sämtlicher Bedrohungsaktivitäten darstelle.

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Google Security Blog
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