Die Türkei unterzeichnete am 1. September 2026 während einer Zeremonie im Hauptsitz der US-amerikanischen National Aeronautics and Space Administration (NASA) in Washington die Artemis-Abkommen und wurde damit zum 71. Land, das sich diesem internationalen Rahmen anschließt. Die Türkei wurde durch den Minister für Industrie und Technologie Mehmet Fatih Kacır und den Präsidenten der türkischen Raumfahrtagentur Yusuf Kıraç vertreten, während die Vereinigten Staaten durch den NASA-Administrator Jared Isaacman und den stellvertretenden Staatssekretär für Raumfahrt- und Umweltangelegenheiten Connor Tomlinson vertreten wurden.
Die Abkommen legen Grundsätze für die friedliche und transparente Zusammenarbeit bei der Erforschung des Weltraums fest und stützen sich auf den Weltraumvertrag von 1967. Sie sind kein verbindlicher Vertrag, sondern eine multilaterale Erklärung von Grundsätzen und Regeln für die verantwortungsvolle Erforschung des Weltraums. Zu ihren Bestimmungen gehören die Registrierung von Weltraumobjekten, die Vermeidung von Konflikten zwischen Aktivitäten, der Austausch wissenschaftlicher Daten und die Hilfeleistung in Notfällen.
Was bedeutet der Schritt für das türkische Raumfahrtprogramm?
Kacır erklärte, die Unterzeichnung der Abkommen stelle eine neue Etappe auf dem Weg zur Ausweitung der türkischen Raumfahrtaktivitäten dar. Sein Land wolle eine nachhaltige Präsenz im Weltraum bewahren und dessen friedliche Nutzung zum Nutzen der Menschheit unterstützen. Der Minister stellte den Schritt in Zusammenhang mit den türkischen Programmen für Satellitentechnologien, der Gründung der türkischen Raumfahrtagentur und der Entwicklung des Luft- und Raumfahrtsektors, ohne Einzelheiten zu finanziellen Verpflichtungen oder konkreten gemeinsamen Projekten mit der NASA zu nennen.
Kacır kündigte an, dass die Türkei in den ersten Monaten des Jahres 2027 eine mit einem Hybridantrieb ausgestattete Raumsonde zum Mond schicken wolle. Seiner Aussage zufolge wird die Mission Daten aus der Mondumlaufbahn sammeln und zugleich darauf abzielen, die Türkei in die Gruppe der Länder aufzunehmen, die den Mond erreicht haben. Nach Angaben des Ministers ist dieser Plan Teil des nationalen türkischen Raumfahrtprogramms.
Kacır erklärte außerdem, die Türkei habe mit dem Bau eines Weltraumbahnhofs in Somalia begonnen. Das Projekt könne seiner Einschätzung nach die Präsenz seines Landes in der Weltraumwirtschaft stärken und ihm helfen, in diesem Bereich unabhängigere Schritte zu unternehmen. Der Bericht enthielt keine Einzelheiten zum Standort des Weltraumbahnhofs, zu seinem Zeitplan oder zu seiner Betriebskapazität.
Internationale Zusammenarbeit auf dem Mond und im Weltraum
Isaacman begrüßte den Beitritt der Türkei und erklärte, beide Länder teilten die Vision, ihre Astronauten wieder auf die Mondoberfläche zu bringen. Er bezeichnete den Schritt als wichtigen Meilenstein, der eine „kühne Vision“ der Türkei widerspiegle. Tomlinson äußerte außerdem die Erwartung einer zunehmenden Zusammenarbeit zwischen Ankara und Washington in der Weltraumforschung. Die NASA veröffentlichte später über ihren Account auf der Plattform X eine Willkommensbotschaft zum Beitritt der Türkei.
Zur US-amerikanischen Vision im Rahmen von Artemis gehören die Errichtung einer dauerhaften Basis auf dem Mond und dessen Nutzung als Station für Flüge zum Mars sowie die Gewinnung mineralischer Ressourcen dort. Die Vereinigten Staaten, Kanada, Japan, Australien, Italien, Luxemburg und die Vereinigten Arabischen Emirate waren am 13. Oktober 2020 die ersten Unterzeichnerstaaten.
Warum ist diese Nachricht wichtig?
Die Unterzeichnung allein kündigt weder eine gemeinsame Mission noch eine US-Finanzierung des türkischen Programms an. Sie gibt den Mondplänen Ankaras jedoch einen angekündigten Rahmen für Zusammenarbeit, Datenaustausch und Interoperabilität. Die praktische Bedeutung des Schrittes bleibt davon abhängig, ob die Türkei in der Lage ist, die Mission im Jahr 2027 umzusetzen, sowie von den Einzelheiten, die später zur technischen Zusammenarbeit, zum Weltraumbahnhof in Somalia und zu den Mechanismen für den Austausch von Daten und Ressourcen bekannt werden.