SAP hat am 6. Oktober 2026 eine Vereinbarung zur Übernahme von TechWolf bekannt gegeben, einem belgischen Unternehmen für künstliche Intelligenz, das eine kontextbezogene Karte für Kompetenzen und Arbeit entwickelt. Ziel der Transaktion ist es, den HR-Agenten in der SAP-Plattform SuccessFactors präzisere Daten über die Tätigkeiten und Kompetenzen von Mitarbeitern bereitzustellen, insbesondere für kompetenzbasiertes Recruiting, die Neugestaltung von Rollen und die Personalplanung.
Die beiden Unternehmen haben den Wert der Transaktion nicht bekannt gegeben. SAP erklärte, der Abschluss werde vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen im vierten Quartal 2026 erwartet. TechWolf wird weiterhin unabhängig arbeiten; Mitgründer Andreas De Neve bleibt CEO.
Was bringt TechWolf in SuccessFactors ein?
Die Plattform von TechWolf verbindet sich mit den HR-Programmen und Geschäftsanwendungen eines Unternehmens und leitet Kompetenzen aus der Arbeit ab, die Mitarbeiter tatsächlich ausführen, anstatt sich ausschließlich auf Selbsteinschätzungen zu stützen. Das Ergebnis bezeichnet das Unternehmen als „kontextbezogene Arbeitskarte“. Sie verknüpft einzelne Aufgaben, eingesetzte Kompetenzen und Trends auf dem Arbeitsmarkt und vergleicht diese anschließend mit dem künftigen Bedarf des Unternehmens.
SAP zufolge werden diese Daten zu einer grundlegenden Ebene für die Joule-Agenten und die SuccessFactors-Tools zur Erstellung von Kompetenzkarten, zur Personalbestandsplanung und zur Umstrukturierung von Teams. SAP hat auf der Konferenz Connect außerdem einen Assistenten für die Personalplanung vorgestellt, der in diesem Quartal ersten Nutzern zur Verfügung gestellt werden soll.
Kontext und betriebliche Effizienz
SAP stellt die Transaktion zudem als Lösung für das Kontextproblem in Anwendungen für künstliche Intelligenz in Unternehmen dar. Agenten benötigen nicht nur größere Modelle, sondern auch strukturierte Daten mit Bezug zur Realität des Unternehmens, damit sie nutzbare Antworten erzeugen können. Laut Manoj Swaminathan, Chief Product Officer der SAP Autonomous Suite, kann die Karte von TechWolf die Token-Nutzung effizienter machen und dadurch möglicherweise die Betriebskosten von HR-Agenten senken.
Dieses Versprechen bleibt jedoch an die Qualität der Daten gebunden, die ein Unternehmen erfassen kann, sowie an die Genauigkeit, mit der sich die Kompetenzen von Mitarbeitern aus ihren Aktivitäten ableiten lassen. Die Quelle liefert keine unabhängigen Zahlen, die das Ausmaß einer Kostensenkung oder einer Verbesserung der Agentenergebnisse messen. Die praktischen Auswirkungen der Transaktion werden daher davon abhängen, wie die Karte in SuccessFactors integriert wird und welche Kontrollen die Nutzung von Arbeitsdaten bei Recruiting- und Planungsentscheidungen regeln.
Frühere Partnerschaft und Investition in offene Modelle
Die Beziehung zwischen den beiden Unternehmen beginnt nicht erst mit der Übernahme: SAP war Partner von TechWolf und beteiligte sich 2024 als Investor an einer Series-B-Runde über 42,75 Millionen US-Dollar, die von Felix Capital angeführt wurde und an der sich ServiceNow und Workday beteiligten. Die Plattform von TechWolf schrieb die abgeleiteten Kompetenzen bereits in Module wie Talent Intelligence Hub, Recruiting und Learning von SuccessFactors.
Zu den Kunden von TechWolf gehören Booking.com, HSBC, MetLife, PayPal, AMD, Ericsson und GSK. Das Unternehmen veröffentlicht außerdem JobBERT-Modelle auf Hugging Face zur Zuordnung von Berufsbezeichnungen und Stellenbeschreibungen innerhalb eines gemeinsamen Vektorraums. Die neueste Version unterstützt Englisch, Spanisch, Deutsch und Chinesisch.
Die Transaktion folgt auf die Übernahme von Reltio durch SAP, die den Joule-Agenten eine einheitliche Sicht auf Kunden, Lieferanten und Produkte verschafft. Nach den Plänen von SAP könnte TechWolf den Agenten eine vergleichbare Sicht auf die Belegschaft geben. Einzelheiten zur Integration und Governance sowie messbare Ergebnisse wurden jedoch noch nicht bekannt gegeben.