Die Electronic Frontier Foundation (EFF) erklärt, dass Zero-Knowledge-Proofs (Zero-Knowledge Proofs oder ZKPs) keine umfassende Lösung für das Problem der Altersverifikation von Internetnutzern bieten, obwohl sie bisweilen als Möglichkeit dargestellt werden, mit der sich nachweisen lässt, dass ein Nutzer volljährig ist, ohne seine personenbezogenen Daten offenzulegen. Nach Ansicht der Stiftung können diese Systeme ihr grundlegendes Ziel verfehlen und gleichzeitig neue Risiken für Privatsphäre, Sicherheit und den Zugang zu Diensten schaffen.
Diese Positionen werden zu einem Zeitpunkt vertreten, an dem sich Gesetze zur Altersverifikation ausweiten. Dem Artikel zufolge gibt es in etwa der Hälfte der US-Bundesstaaten ein Gesetz zur Altersverifikation von Internetnutzern, während bundesweite Vorschläge wie der KIDS Act und der Kids Online Safety Act (KOSA) voranschreiten. In der Europäischen Union arbeiten die Mitgliedstaaten daran, bis Ende 2026 über eine zentrale Anwendung eine Infrastruktur zur Altersverifikation bereitzustellen, während Australien bereits eine weitreichende Einschränkung umsetzt.
Von der individuellen Privatsphäre zu einem zentralen Kontrollpunkt
Die EFF räumt ein, dass die Altersverifikation mittels ZKPs in ihrer idealen Form weniger Daten offenlegt als Verfahren, bei denen jede Website oder Anwendung Einsicht in die Informationen des Nutzers verlangt. Statt das Geburtsdatum oder den Identitätsnachweis mit jedem Dienst zu teilen, könnte theoretisch ein Token ausgestellt werden, das beweist, dass eine Person ein bestimmtes Alter überschreitet, ohne weitere Angaben offenzulegen.
Die Stiftung ist jedoch der Ansicht, dass dieses Design die Notwendigkeit einer Stelle, die das Token ausstellt oder das Alter seines Inhabers überprüft, nicht beseitigt. Bei jeder Nutzung könnte eine dauerhafte Verbindung zwischen dem Token und der ausstellenden Stelle entstehen. Wenn die ausstellende Stelle die Nutzung der Berechtigung protokollieren kann, könnte ein Metadatenprotokoll entstehen, aus dem hervorgeht, auf welche Dienste der Nutzer zugreift. Außerdem könnte diese Stelle staatlichem Druck ausgesetzt sein, den Zugang einer Person zu einem bestimmten Dienst zu sperren, oder zu einem zentralen Tor werden, das praktisch einen wichtigen Teil des Internetzugangs kontrolliert.
Wie funktioniert die Technologie?
Zero-Knowledge-Proofs ermöglichen es einem Gerät, gegenüber einem anderen Gerät die Richtigkeit einer Information zu beweisen, ohne die Information selbst offenzulegen. Das erste Gerät weist eine mathematische Bindung an die Information nach, anschließend stellt das zweite Gerät Herausforderungen, die nur dann korrekt beantwortet werden können, wenn die ursprüngliche Information stimmt. Um die wiederholte Interaktion zwischen den Geräten zu vermeiden, verwenden Anwendungen eine nicht interaktive Variante dieses Verfahrens.
Die Variante, die am engsten mit Anwendungsfällen der Altersverifikation verbunden ist, ist zk-SNARK. Dabei wird die Antwort mithilfe eines Hash-Verfahrens in einen kompakten Wert umgewandelt, sodass das Ergebnis theoretisch schwer vorherzusagen oder zu manipulieren ist. Dieser Mechanismus kann im besten Fall beweisen, dass ein Nutzer volljährig oder minderjährig ist, ohne zusätzliche personenbezogene Informationen offenzulegen. Die EFF erklärt jedoch, dass Praxistests gezeigt hätten, dass die mathematischen Eigenschaften der Technologie allein nicht ausreichen, um Probleme bei Umsetzung und Betrieb zu lösen.
Was hat der Test der Europäischen Union gezeigt?
Es wird erwartet, dass die 27 europäischen Staaten bis Ende 2026 über eine Infrastruktur zur Altersverifikation mittels einer „Mini-Wallet“-Anwendung innerhalb der EUDI Wallet, der europäischen digitalen Identitäts-Wallet, verfügen werden. Nach Angaben der EFF aktiviert die den Nutzern angebotene Version der Wallet die ZKP-Funktionen tatsächlich nicht, abgesehen von einer geschlossenen Testversion oder einem Prototyp, auf den die meisten Nutzer keinen Zugriff haben.
Außerdem fand ein Sicherheitsforscher dem Artikel zufolge eine Möglichkeit, das System mithilfe einer einfachen Erweiterung für den Chrome-Browser zu umgehen. Die Erweiterung konnte die Anwendung dazu bringen, wiederholt dasselbe „über 18“-Token zu akzeptieren, ohne jedes Mal eine neue Verifizierung zu verlangen. Die EFF verweist außerdem auf einen offenen Brief, den mehr als 400 Sicherheitsforscher unterzeichnet haben und der davor warnte, dass Alterskontrollstellen selbst bei datenschutzfreundlicher Gestaltung mehr Schaden als Nutzen verursachen könnten.
Die Risiken werden noch sensibler, wenn die Mini-Wallet vollständig in die EUDI Wallet integriert wird, da ein möglicher Ausfall dann nicht auf Altersdaten beschränkt wäre. Die Wallet könnte auch Reisepässe, Führerscheine, Reiseinformationen und Finanzdaten enthalten, wodurch sich die Auswirkungen eines Angriffs oder Missbrauchs vergrößern würden.
Warum ist diese Debatte wichtig?
Der praktische Kernpunkt ist, dass der Datenschutz nicht allein von einem ZKP-Algorithmus abhängt, sondern von der Stelle, die die Berechtigung ausstellt, der Art ihrer Speicherung, der Möglichkeit, ihre Nutzung nachzuverfolgen, sowie den Schutzvorkehrungen, die eine Wiederverwendung oder eine Umgehung des Verifizierungsmechanismus verhindern. Daher kommt die EFF zu dem Schluss, dass kein System zur verpflichtenden Altersverifikation gleichzeitig Privatsphäre, Genauigkeit und eine umfassende Abdeckung gewährleisten kann, ohne erhebliche Sicherheitsrisiken einzuführen.
Da der Artikel die Position der EFF wiedergibt, stellt ihre Ablehnung der verpflichtenden Altersverifikation eine der Stiftung zugeschriebene politische und technische Einschätzung dar und kein Ergebnis eines allgemeinen Konsenses. Die Beispiele zur Aktivierung von ZKPs und zur wiederholten Akzeptanz des Tokens liefern jedoch eine praktische Grundlage dafür, die Versprechen dieser Systeme zu überprüfen, bevor ihr Einsatz ausgeweitet wird.