Amazon hat eine neue Verpflichtung angekündigt, die festlegt, wie das Unternehmen Rechenzentren in den Vereinigten Staaten bauen und betreiben will. Gleichzeitig startet das Programm „Built Together“, das in den kommenden fünf Jahren zusätzlich mehr als eine Milliarde Dollar zu den bisherigen Investitionen in Gemeinden hinzufügen soll, in denen sich diese Anlagen befinden. Die Ankündigung erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem der Ausbau der Rechenzentrumsinfrastruktur aufgrund der Nachfrage nach Cloud-Computing und künstlicher Intelligenz beschleunigt wird und zugleich lokale Bedenken hinsichtlich Wasser, Strom, Emissionen und Transparenz zunehmen.
Messbare betriebliche Verpflichtungen
Amazon zufolge verbraucht das durchschnittliche Rechenzentrum des Unternehmens weniger als 13.000 Gallonen Wasser pro Tag, verglichen mit einem Durchschnitt von etwa 170.000 Gallonen für ein typisches Rechenzentrum, wie aus den in dem Material genannten Zahlen hervorgeht. Das Unternehmen verpflichtet sich, bis 2030 über seine Rechenzentren hinweg wasserpositiv zu werden, also den Gemeinden mehr Wasser zurückzugeben, als es verbraucht. Dabei weist es darauf hin, dass es dieses Ziel im Jahr 2025 bereits zu 75 Prozent erreicht habe.
Das Unternehmen gibt an, dass der globale Power Usage Effectiveness-Wert seiner Rechenzentren im Jahr 2025 bei 1,14 lag, gegenüber einem Branchendurchschnitt von 1,25 und 1,63 für lokale Unternehmensrechenzentren. Außerdem beabsichtigt Amazon, wo immer möglich nicht trinkbares, recyceltes oder leicht salzhaltiges Wasser zu verwenden, in die Modernisierung der Energie- und Wassernetze zu investieren und an neuen Standorten Notstromgeneratoren zu installieren, die dem Tier-4-Standard der US-amerikanischen Umweltschutzbehörde oder einem gleichwertigen Standard entsprechen.
Amazon verpflichtet sich außerdem, jährlich Daten zum Energieverbrauch und zur Energieeffizienz, zum Wasserverbrauch und zur Wassereffizienz sowie zum Anteil kohlenstofffreier Energie zu veröffentlichen. Nach eigenen Angaben wird das Unternehmen künftig keine Geheimhaltungsvereinbarungen mehr mit Regierungsstellen verwenden, mit denen es bei Rechenzentrumsprojekten zusammenarbeitet. Zudem will es offene Treffen veranstalten und frühzeitig Informationen über seine Pläne teilen.
Investitionen mit Schwerpunkt auf Bildung und Energie
„Built Together“ basiert auf drei Schwerpunkten. Der erste betrifft Bildung und Ausbildung: Amazon plant, mehr als 300.000 Schülerinnen und Schülern Zugang zu kostenlosen Zertifikaten oder Hochschulabschlüssen in gefragten Bereichen zu ermöglichen, etwa Elektrotechnik, Heizung, Lüftung und Klimatechnik, Glasfasertechnik, Informationstechnologie, Gesundheitsversorgung und fortgeschrittene Fertigung.
Außerdem wird das Unternehmen seine modularen Ausbildungszentren ausweiten. Amazon betreibt derzeit drei Zentren, sechs weitere befinden sich in der Entwicklung, und das Unternehmen plant die Einrichtung von 16 zusätzlichen Zentren. Bis Ende 2028 sollen diese Zentren jährlich bis zu 100.000 Arbeitskräfte für lokale Arbeitsplätze ausbilden, wobei die Ausbildungsprogramme vier bis 16 Wochen dauern.
Der zweite Schwerpunkt liegt auf erschwinglicher Energie und Wasserlösungen. Die Fördermittel sollen innerhalb von fünf Jahren die Modernisierung von mehr als 300 Schulen und Gemeinschaftsgebäuden sowie 30.000 Haushalten ermöglichen, unter anderem durch die Installation von Wärmepumpen, Klimaanlagen, Dämmungen, Warmwasserbereitern, Batterien und Solaranlagen. Amazon schätzt, dass diese Verbesserungen die Energiekosten um 20 bis 40 Prozent senken könnten, im Durchschnitt um etwa 700 Dollar pro Haushalt und Jahr.
Der dritte Schwerpunkt stellt den Gemeinden flexible Mittel zur Verfügung, damit sie ihre eigenen Prioritäten festlegen können, etwa Straßen, Parks, Feuerwehrausrüstung, bezahlbaren Wohnraum, Ernährungssicherheit, die Verbesserung von Schulen und Katastrophenvorsorge. Amazon erklärt außerdem, weltweit mehr als 65 Wasserprojekte beauftragt zu haben, die voraussichtlich jährlich mehr als 8 Milliarden Gallonen an die lokalen Gemeinden zurückgeben werden.
Was bedeutet das praktisch?
Die wesentliche Veränderung besteht nicht in der Einführung eines neuen Cloud-Dienstes, sondern in dem Versuch, bisherige Praktiken und Beiträge von Amazon in öffentlich erklärte Verpflichtungen und ein langfristiges Finanzierungsprogramm zu überführen. Dies könnte Regierungen und Gemeinden klarere Ansatzpunkte für die Rechenschaftspflicht bei der Bewertung von Rechenzentrumsprojekten geben, insbesondere in den Bereichen Energie, Wasser und Beschäftigung.
Die genannten Zahlen stammen jedoch von Amazon selbst, und einige Zusagen hängen von künftigen Partnerschaften und einer lokalen Umsetzung ab, die noch nicht vollständig begonnen hat. Auch ein geringerer Wasserverbrauch oder höhere Steuereinnahmen beantworten für sich genommen nicht die Fragen der Netzplanung, der Verteilung von Nutzen und Kosten unter den Einwohnern oder der Auswirkungen der steigenden Energienachfrage. Der praktische Wert der Verpflichtung wird daher davon abhängen, ob jährliche Daten veröffentlicht werden, wie klar die Bedingungen der Projekte sind und ob die Gemeinden die Möglichkeit haben, die gemeldeten Ergebnisse zu überprüfen.