Cybersicherheit

Gezielte Werbung brachte Spyware ohne Klick auf iOS- und Android-Geräte

Citizen Lab hat eine von ihm AdFection genannte Kampagne aufgedeckt, die 2024 und 2025 über mit „Zero-Click“-Exploits versehene Werbung 45 Geräte der Al-Jazeera-Medienorganisation infizierte, um Spyware einzuschleusen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Infrastruktur digitaler Werbung zur gezielten Überwachung von Journalisten sowie staatlichen und sicherheitsbezogenen Einrichtungen missbraucht wurde.

2026-10-15
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certi.news
Gezielte Werbung brachte Spyware ohne Klick auf iOS- und Android-Geräte

Das Citizen Lab der University of Toronto hat eine Cyberkampagne aufgedeckt, bei der gezielte Werbung genutzt wurde, um hochentwickelte Spyware ohne Klick oder sonstige Interaktion des Opfers auf iOS- und Android-Geräten zu installieren. Das Labor nannte die Kampagne „AdFection“ und erklärte, sie habe 2024 und 2025 45 Geräte der Al-Jazeera-Medienorganisation infiziert.

Die Bedeutung der Kampagne liegt den Untersuchungsergebnissen zufolge darin, dass sie als erste wahrscheinliche Bestätigung dafür gilt, dass Söldner-Spyware über gezielte Werbung ausgeliefert wurde. In diesem Szenario reicht das Laden einer Webseite oder das Öffnen einer installierten App aus, damit der Exploit-Ablauf beginnt. Für den Nutzer ist die Infektion normalerweise nicht erkennbar, sofern keine speziellen forensischen Werkzeuge oder Programme eingesetzt werden.

Wie wurde das Werbesystem genutzt?

Citizen Lab erklärte, die Werbung sei von dem israelischen Unternehmen Discover-Tech bereitgestellt worden, das sich als legitimes Werbeunternehmen darstelle. Das Labor beschrieb Discover-Tech jedoch als Vermittler zwischen Werbekäufern und Publishern beziehungsweise App-Entwicklern, der dazu beitrage, den Werbemarkt mit dem Ökosystem für Söldner-Spyware zu verbinden.

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Diese Art der Vermittlung beruht auf Werbeauktionen, die mithilfe von Mobilgerätekennungen, Standortdaten, IP-Adressen und weiteren Daten bestimmte Gruppen ansprechen. Das Labor erhielt mehr als 4 Milliarden von Discover-Tech verarbeitete Gebotsdatensätze. Diese zeigten, dass die Werbung des Unternehmens zwischen März und Juni 2026 in mehr als 70.000 mobilen Apps und 120.000 Webseiten ausgespielt wurde.

Den Ergebnissen zufolge nutzte Discover-Tech mit der Datenschutz-Grundverordnung verbundene Einwilligungsrahmen, um Nutzer innerhalb der Europäischen Union anzusprechen. Außerdem schaltete das Unternehmen seine Werbung über die Netzwerke von Google, Yandex und Beeswax. Google und IAB Europe hatten das Unternehmen zuvor als „autorisierten“ oder „verifizierten“ Anbieter geführt, bevor sein Name aus den Verzeichnissen entfernt wurde. Google beendete zudem den Zugang des Unternehmens zu seinen Werbebörsen. Beeswax entfernte Discover-Tech ebenfalls von seiner Plattform, die zu Liftoff gehörende Plattform Vungle setzte den Zugang des Unternehmens zur Überprüfung vorübergehend aus, und Eskimi sperrte seine Konten und Domains.

Was hat sich praktisch verändert?

Der Untersuchung zufolge wurde die Werbung Personen angezeigt, die bestimmten Profilen entsprachen. Anschließend verband sich JavaScript- oder anderer Code mit den Command-and-Control-Servern von Candiru, die ihrerseits einen Exploit zurücklieferten, der die Schadsoftware ohne Interaktion des Nutzers einschleuste. Citizen Lab erklärte, Candiru habe die Software entwickelt und verbreitet und arbeite inzwischen unter dem Namen Integrity Labs.

Der Bericht nannte weder die ausgenutzten Schwachstellen noch die endgültige Software, die von der Kampagne installiert wurde. Die Quelle vermutet, dass es sich um Zero-Day-Schwachstellen handelte, die nach der Entdeckung der Kampagne durch Citizen Lab behoben wurden. Dieser Punkt wurde jedoch nicht durch veröffentlichte technische Details bestätigt. Discover-Tech und Candiru reagierten ebenfalls nicht auf Anfragen zur Stellungnahme.

Warum ist diese Nachricht wichtig?

Citizen Lab erklärte, mit Discover-Tech verbundene Werbung sei in Netzwerken der North Atlantic Treaty Organization und der Vereinten Nationen sowie europäischer gesetzgebender Institutionen erschienen. Hinzu kamen Anbieter kritischer Infrastruktur in Australien sowie staatliche Behörden und Streitkräfte in Norwegen und Schweden. Das Labor warnt, dass Redaktionen, Journalisten, Redakteure und dort Beschäftigte direkt angegriffen werden könnten.

Die Kampagne macht ein Problem sichtbar, das über das Gerät des Opfers hinausgeht: Werbe-Targeting-Werkzeuge, die zur Bestimmung großer kommerzieller Zielgruppen entwickelt wurden, können zu einem Kanal für die Zustellung hochspezialisierter Spyware werden. Deshalb rief Citizen Lab Werbetreibende und Regierungsvertreter zu proaktiven Maßnahmen auf, um diese Art von Kampagnen zu verhindern.

Zur Verringerung der Risiken empfahl die Quelle den Einsatz von Werbeblockern, das Zurücksetzen der Werbekennung unter iOS und Android sowie die Installation von Blockierwerkzeugen in Heim- oder Büronetzwerken. Außerdem sollten System- und Softwareupdates unmittelbar nach ihrer Veröffentlichung installiert werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Maßnahmen eine Infektion in allen Fällen sicher verhindern, insbesondere weil die Details der Schwachstellen und der endgültigen Schadsoftware nicht veröffentlicht wurden.

Nachrichtenquelle
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certi.news

Das Wichtigste

Citizen Lab hat eine Kampagne namens AdFection aufgedeckt, die gezielte Werbung nutzte, um ohne Interaktion der Nutzer Spyware auf iOS- und Android-Geräte zu übertragen. In den Jahren 2024 und 2025 waren 45 Geräte der Al Jazeera Media Network betroffen. Die Kampagne wurde mit Discover-Tech und einer Candiru-Infrastruktur in Verbindung gebracht; Einzelheiten zu den Schwachstellen und der endgültigen Payload wurden jedoch nicht vollständig veröffentlicht.

  • Die Anzeigen nutzten das Laden einer Webseite oder das Öffnen einer installierten App, um einen Angriff ohne Klick zu starten.
  • Citizen Lab zufolge waren 45 Geräte der Al Jazeera Media Network von der Kampagne betroffen.
  • Die Untersuchung brachte die Werbeinfrastruktur mit Discover-Tech und die Exploits sowie die Payload mit Servern von Candiru in Verbindung, das inzwischen unter dem Namen Integrity Labs tätig ist.
  • Die Anzeigen erschienen über mehrere Werbenetzwerke und -plattformen, bevor Discover-Tech von einigen Diensten entfernt oder blockiert wurde.
  • Der Bericht nannte weder die ausgenutzten Schwachstellen noch die endgültige Malware. Der vermutete Einsatz von Zero-Day-Schwachstellen ist nicht bestätigt.
  • Citizen Lab empfahl, Werbung zu blockieren, die Werbekennung zurückzusetzen und Systeme sowie Software zu aktualisieren.

FAQ

Was ist die Kampagne AdFection?

Es handelt sich um eine Cyberkampagne, die gezielte Werbung nutzte, um Spyware auf iOS- und Android-Geräte zu übertragen, ohne dass das Opfer auf die Anzeige klicken musste.

Wie viele Geräte waren von der Kampagne betroffen?

Citizen Lab zufolge waren in den Jahren 2024 und 2025 45 Geräte der Al Jazeera Media Network betroffen.

Wurden die verwendeten Schwachstellen offengelegt?

Nein. Der Bericht nannte weder die von der Kampagne ausgenutzten Schwachstellen noch die endgültige installierte Malware. Auch die Vermutung, dass Zero-Day-Schwachstellen eingesetzt wurden, wurde nicht durch veröffentlichte technische Details bestätigt.

Welche Maßnahmen werden zur Verringerung der Risiken empfohlen?

Citizen Lab empfahl, Werbung zu blockieren, die Werbekennung auf iOS und Android zurückzusetzen, Blockierungswerkzeuge in Netzwerken einzusetzen und Systeme sowie Software umgehend zu aktualisieren, sobald Updates verfügbar sind.

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