Beim jüngsten Demo Day von Y Combinator trat eine Gruppe von Start-ups hervor, die in technisch anspruchsvollen Bereichen tätig sind – von schwimmenden Rechenzentren und Kernenergie bis hin zu KI-Chips, Robotik und Programmierschnittstellen zu deren Steuerung. Die Liste basiert auf Empfehlungen von Investoren, die TechCrunch gebeten hatte, die interessantesten Unternehmen des Sommerjahrgangs zu nennen; aufgenommen wurden Unternehmen, auf die mindestens zwei Investoren hingewiesen hatten.
Dem Bericht zufolge war dieser Jahrgang stärker auf Deep Tech ausgerichtet als frühere Jahrgänge, wobei ein Investor ihre Ideen als geradezu Science-Fiction-artig bezeichnete. Zugleich hielten die Investoren die finanziellen Bewertungen im Vergleich zu anderen jüngeren Jahrgängen für realistischer.
KI-Infrastruktur und Energie
Automarine, im Text auch unter der Bezeichnung Atomarine erwähnt, will kernenergiebetriebene Rechenzentren auf schwimmenden Plattformen im Meer bauen. Das Unternehmen setzt darauf, die Kühlung durch Meerwasser zu ermöglichen, fernab von Energieengpässen und dem Widerstand lokaler Gemeinschaften gegen den Bau neuer Rechenzentren. Es plant, 2028 ein gasbetriebenes Pilotmodell auf den Markt zu bringen und anschließend 2032 auf schwimmende, kernenergiebetriebene Schiffe umzusteigen. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen Absichtserklärungen erhalten, die ein Kundeninteresse im Wert von mehr als 4 Milliarden Dollar darstellen.
Dipole Labs entwickelt dagegen einen optischen Switch für KI-Rechenzentren. Ziel ist es, Daten während der Übertragung zwischen Chips in optischer Form zu halten, statt sie ständig zwischen Licht und elektrischen Signalen umzuwandeln. Das Unternehmen ist der Ansicht, dass dies den Energieverbrauch und die Wärmeentwicklung senken und die Auslastung von Clustern aus Grafikprozessoren verbessern könnte.
Lamb Labs arbeitet an maßgeschneiderten Inferenzchips, die die Gewichte von KI-Modellen direkt im Silizium speichern. Das Unternehmen nennt diese Chips „Model Processing Units“ (MPUs) und erklärt, dass sie den Engpass vermeiden, der durch das Abrufen der Gewichte aus dem Speicher während der Ausführung der Modelle entsteht.
Roboter für industrielle und private Anwendungen
Praxis AI sammelt Videos und Daten über die Ausführung realer Aufgaben durch Menschen und wandelt sie anschließend in Trainingsmaterial für Unternehmen um, die Roboter entwickeln. Nach eigenen Angaben arbeitet das Unternehmen bereits mit börsennotierten Firmen zusammen und hat Daten aus mehr als 150 verschiedenen Umgebungen gesammelt.
Nori bietet einen Haushaltsroboter für etwa 1.600 Dollar an, der über eine Anwendung auf einem Laptop betrieben werden kann und reinigen sowie Wäsche zusammenlegen soll. Das Unternehmen, das sechs Wochen vor der Erstellung des Berichts gegründet wurde, erklärt, es habe Verkäufe von fast einer halben Million Dollar erzielt. Der Bericht vergleicht diesen Preis mit den etwa 20.000 Dollar für einen Neo-Roboter; die zentrale Frage bleibt jedoch, ob diese Geräte tatsächlich komplexe Hausarbeiten ausführen können.
Cosmic Robotics entwickelt autonome Roboter, die große Gewichte heben können. Nach eigenen Angaben wird die Technologie des Unternehmens in den Vereinigten Staaten zur Installation von Solarmodulen eingesetzt, und das Unternehmen verfügt bis 2027 über Verträge im Wert von 25 Millionen Dollar. Die Gründer verknüpfen das Projekt mit der Vision, eine Stadt auf dem Mars zu bauen, und streben den Beginn einer Erkundungsmission im Jahr 2028 an.
Von Drohnen bis zum biologischen Rechnen
Isengard Industries will angreifende und gegen Drohnen gerichtete Drohnen mit Strahltriebwerken in verbündeten Ländern produzieren – zu geringeren Kosten als die Preise großer US-amerikanischer Rüstungsauftragnehmer. Das Unternehmen erklärt, es erziele einen Umsatz von 10 Millionen Dollar und habe laut zwei Investoren innerhalb des Jahrgangs eine hohe Bewertung erhalten.
Parasma untersucht die Nutzung menschlicher Gehirnzellen für eine energieeffizientere Datenverarbeitung, während Waddle Labs eine API-Schicht entwickelt, die Sprachmodell-Agenten zur direkten Erstellung von Steuerungscode für Roboter verwendet. Nach Angaben des Unternehmens werden Entwickler Befehle in natürlicher Sprache erteilen können, während die Agenten den ausführbaren Code erstellen und dessen erfolgreiche Ausführung überprüfen. Die Einrichtung des Roboters soll dabei etwa 20 Minuten dauern.
Warum ist diese Ausrichtung wichtig?
Die Liste zeigt, dass sich das Interesse eines Teils des Frühphasenkapitals von reinen KI-Anwendungen auf die Ebenen verlagert, die deren Betrieb ermöglichen: Energie, Netzwerke, Chips, Daten und Robotik. Die meisten genannten Zahlen – etwa zu Absichtserklärungen, Verträgen, Verkäufen und Bewertungen – beruhen jedoch auf Angaben der Unternehmen oder Einschätzungen von Investoren und stellen nicht zwangsläufig erzielte Umsätze oder einen nachgewiesenen technischen Erfolg dar. Daher bleiben Skalierbarkeit, Zuverlässigkeit, Sicherheit und die Einhaltung regulatorischer Vorgaben offene Fragen für diese Projekte.