Die XREAL a01-Brille bietet ein tragbares Anzeigeerlebnis, bei dem sich ein Bildschirm vor den Augen des Nutzers befindet. Gleichzeitig macht sie die praktischen Fragen deutlich, die Verbraucher-Headsets für Extended Reality weiterhin umgeben. Die Brille, die XREAL im Mai 2026 zu einem Preis von etwa 300 US-Dollar auf den Markt brachte, zeigt Bilder in guter Qualität, funktioniert jedoch nicht als eigenständiges Gerät. Sie muss über USB-C mit einem Computer, Smartphone oder tragbaren Spielgerät verbunden werden, das Energie und Inhalte bereitstellt.
Gute Bildqualität, aber kein eigenständiger Bildschirm
Die a01 verwendet zwei kleine OLED-Panels mit einer Auflösung von 1080p und einer Helligkeit von bis zu 1600 Nits. Sie liefert lebendige Farben und ein Bild, das beim Ausrichten der Brille auf eine Wand einem Heimprojektor nahekommt. In einem dunklen Raum kann die Brille ein intensiveres Erlebnis als ein herkömmlicher kleiner Bildschirm vermitteln. Außerdem ist sie im Vergleich zu einigen anderen Headsets für Extended Reality relativ leicht und komfortabel.
Diese Vorteile beseitigen jedoch nicht die Abhängigkeit von einem externen Gerät. Wird sie zum Ansehen eines Films mit einem Laptop verbunden, wird der Inhalt weiterhin auf dem Laptop-Bildschirm angezeigt, während der Nutzer ihn zusätzlich in der Brille sieht. XREAL beschreibt die Projektion als Äquivalent zum Ansehen eines 147 Zoll großen Bildschirms. Da sich der ursprüngliche Bildschirm jedoch in kurzer Entfernung befindet, ist die Funktion der Brille in diesem Szenario weniger eindeutig.
Das Spiegelungsproblem besteht auch beim Smartphone
Die a01 kann mit einem Smartphone verbunden werden, was während einer Reise im Flugzeug oder Zug besser geeignete Einsatzmöglichkeiten eröffnet, da der Nutzer keinen Laptop mitnehmen muss. Allerdings fungiert die Brille auch hier als Bildschirm, der die Inhalte des Smartphones spiegelt. Das bedeutet, dass der Smartphone-Bildschirm während des Betriebs aktiv bleiben muss. Das Smartphone kann zwar in die Tasche gesteckt werden, doch jede Bewegung kann die Wiedergabe oder ihre Stabilität beeinträchtigen.
Durch die unterschiedlichen Anschlüsse verschärfen sich die Einschränkungen. Der im Ausgangstext verwendete Test basierte auf einem älteren iPhone, das nicht direkt mit dem Kabel der a01 kompatibel war, sodass ein zusätzlicher Adapter erforderlich war. Auch die Nutzung der Brille beim Gehen bleibt aufgrund der schwierigen Wahrnehmung der Umgebung praktisch ungeeignet, obwohl das Gerät leichter mitzunehmen sein kann als ein Computer oder ein herkömmlicher Projektor.
Beam Pro löst einen Teil des Problems – gegen zusätzliche Kosten
XREAL bietet das separate Gerät Beam Pro an, das einem kleinen Tablet ähnelt und als eigenständige Streaming-Zentrale genutzt werden kann. Der Nutzer kann Filme und Sendungen darauf herunterladen und es anschließend mit der Brille verbinden, wodurch das Smartphone oder der Computer nicht mehr vor ihm bleiben muss. Beam Pro kostet jedoch zusätzlich 200 US-Dollar. Damit steigt der Preis der vollständigen Lösung auf etwa 500 US-Dollar, noch ohne Zubehör oder Adapter.
Während der Nutzung trat außerdem ein thermisches Problem auf. Die a01 wird bereits nach kurzer Zeit warm, wobei sich auf dem Nasenrücken und um die Augen ein Wärmegefühl oder Kribbeln bemerkbar macht. Dieses Problem ist nicht auf XREAL beschränkt, bleibt aber bei einem Produkt, das direkt im Gesicht getragen wird, ein wichtiger Faktor. Komfort und Wärme sind keine nebensächlichen Details, wenn die Betrachtungssitzung lange dauert.
Was könnte sich mit Project Aura ändern?
Die a01 wirkt eher wie ein tragbarer Bildschirm als wie eine vollständig integrierte intelligente Brille. Sie verfügt weder über einen Akku noch über ein internes Verarbeitungssystem und bietet keine erweiterten interaktiven Funktionen wie Hand-Tracking. Im Gegenzug deutet XREAL an, dass das kommende Gerät Project Aura ein eigenständigeres und umfangreicheres Erlebnis bieten wird. Aura basiert auf dem von Google und Samsung entwickelten Android XR und unterstützt nativ Hand-Tracking sowie den Zugriff auf den Google Play Store.
Aura umfasst außerdem eine externe, mit der Brille verbundene Einheit, die als Ladequelle und Verarbeitungsknoten dient und in der Tasche verstaut werden kann. Theoretisch bedeutet dies eine größere Bewegungsfreiheit als bei der a01, die dauerhaft mit einem anderen Gerät verbunden bleiben muss. Der Ausgangstext weist jedoch darauf hin, dass Aura noch nicht auf den Markt gebracht worden war. Daher lässt sich nicht beurteilen, ob seine Versprechen erfüllt werden oder ob das Gerät die Probleme mit der Wärmeentwicklung und der Abhängigkeit von einem anderen Bildschirm tatsächlich lösen wird.
Das praktische Urteil
Die XREAL a01 liefert in einem leichten Design ein klares und helles Bild und kann sich für Spiele auf Geräten wie dem Steam Deck oder zum Ansehen von Inhalten unterwegs eignen, wenn sie mit einer geeigneten Quelle verbunden wird. Als überzeugender Ersatz für einen großen Fernseher wirkt sie jedoch nicht. Ein 55 Zoll großer Fernseher kann Filmfreunden ein komfortableres und befriedigenderes Seherlebnis bieten, selbst wenn er nicht zur Oberklasse gehört.
Die redaktionelle Einschätzung lautet, dass der Wert der a01 nicht darin liegt, das Ansehen von Filmen grundsätzlich zu verbessern, sondern darin, ein anderes Modell für den Medienkonsum zu erproben. Die grundlegenden Fragen betreffen weiterhin Eigenständigkeit, Komfort und Benutzerfreundlichkeit: Braucht der Nutzer tatsächlich einen Bildschirm vor den Augen, wenn sich die Quelle selbst in seiner Nähe befindet? Und rechtfertigt das zusätzliche System die Kosten für Beam Pro? Solange diese Fragen nicht beantwortet sind, bleibt die a01 ein interessanter Einblick in einen Markt, der noch nicht entschieden hat, was Verbraucher von intelligenten Brillen erwarten.