Jackery präsentierte an seinem Messestand während der IFA Berlin das Heimspeichersystem EnergyGuard Max. Das System besteht aus einer Energycore-Batterieeinheit mit einer Nennkapazität von 104 Kilowattstunden und einem PowerVault-50-Wechselrichter, die in wetterfesten Gehäusen untergebracht sind. Das ausgestellte Modell befindet sich jedoch noch vor der Serienproduktion; außerdem hat das Unternehmen weder den Preis noch den Termin für die kommerzielle Verfügbarkeit bekannt gegeben.
Die Bedeutung des Systems liegt nicht nur darin, dass es sich um eine neue Heimbatterie handelt, sondern auch in seiner Größe, die es in eine andere Kategorie als die meisten üblichen Lösungen für die häusliche Notstromversorgung einordnet. Die Batterie wiegt etwa 1,5 Tonnen und misst 971 Millimeter in der Breite, 1531 Millimeter in der Höhe und 1308 Millimeter in der Tiefe. Daher scheint sie eher für große Häuser, landwirtschaftliche Betriebe oder Anwendungen geeignet zu sein, die eine hohe Reserveleistung erfordern, und nicht als praktische Lösung für jeden Haushalt.
Was bietet das System tatsächlich?
Energycore verwendet Lithium-Eisenphosphat-Zellen (LFP) mit Flüssigkeitskühlung und arbeitet bei einer Nennspannung von 332,8 Volt. Den in dem Beitrag aufgeführten Spezifikationen zufolge kann die Batterie bei Temperaturen von bis zu 20 Grad Celsius unter null betrieben werden. Damit eignet sie sich für zahlreiche Standorte in Europa, mit Ausnahme der kältesten Regionen im Norden des Kontinents. Außerdem unterstützt die Batterie Softwareaktualisierungen over the air.
Der PowerVault 50 unterstützt einen Spannungsbereich für den Batterieeingang von 150 bis 950 Volt sowie einen maximalen Lade- oder Entladestrom von 2×80 Ampere. Die Solarleistung am Eingang erreicht 100 Kilowatt Peak und liegt damit über der Leistung, die derzeit von den meisten privaten Solaranlagen genutzt wird. Auf der Netzseite beträgt die Nennleistung des Wechselstromeingangs und -ausgangs 50 Kilowatt bei einer Spannung von 230 oder 400 Volt. Unterstützt werden außerdem unsymmetrische dreiphasige Lasten sowie eine Umschaltzeit von 10 Millisekunden.
Warum könnte diese Speicherkapazität von Bedeutung sein?
Der Verfasser des Beitrags ist der Ansicht, dass eine Batterie mit dieser Kapazität eine Notstromversorgung über mehrere Tage und bei reduziertem Verbrauch möglicherweise sogar über Wochen bereitstellen könnte, insbesondere bei längeren Stromausfällen. Sie kann außerdem überschüssige Solarenergie während sonniger Zeiten speichern und nachts oder während längerer bewölkter Perioden nutzen. Das ist für europäische Regionen mit kurzen Tagen und dichter Bewölkung im Winter von Bedeutung.
Die Batterie könnte auch dazu beitragen, die Spitzenlast aus dem Netz zu reduzieren. Haushalte, die auf elektrische Heizung oder Elektrofahrzeuge umsteigen möchten, könnten an die Grenzen ihres bestehenden Stromanschlusses oder an die Kosten für eine Aufrüstung des Transformators und des Anschlusses stoßen. Theoretisch kann die Batterie geladen werden, wenn die Nachfrage niedrig ist, und während der Spitzenzeiten entladen werden, um die vom Netz benötigte Leistung zu verringern.
Der Artikel stellt eine Verbindung zwischen dem Spannungsbereich des Wechselrichters und den Möglichkeiten des bidirektionalen Ladens von Elektrofahrzeugen her. Dies könnte ein schnelleres Laden als mit dem üblichen Level 2 ermöglichen und möglicherweise Vehicle-to-Grid- oder Vehicle-to-Home-Anwendungen erlauben. Diese Möglichkeiten werden jedoch als aus den Spezifikationen abgeleitete Annahmen dargestellt und sind keine bestätigten kommerziellen Funktionen des Systems. Theoretisch könnte die Fahrzeugbatterie außerdem gemeinsam mit der Heimbatterie genutzt werden, um die Dauer der Notstromversorgung zu verlängern.
Sicherheit und praktische Einschränkungen
Das System umfasst das von Jackery als FortiShield bezeichnete Sicherheitssystem, einen Rahmen mit sieben Schutzebenen. Hinzu kommen ein Überspannungsschutz in Gleich- und Wechselstromkreisen, die Erkennung des Isolationswiderstands, der Schutz vor verpolten Eingängen von Solarmodulen und Batterie, die Überwachung von Erdungsfehlern und Fehlerströmen sowie der Schutz vor Kurzschlüssen und dem als Inselbetrieb bekannten Zustand. Diese Funktionen sind wichtig, weil die Unterbringung einer großen Batterie im Haus oder in dessen Nähe höhere Anforderungen an Schutz und Installation stellt, auch wenn der Beitrag nicht belegt, dass das System jede elektrische Hausinstallation sicherer machen wird.
Das System ist für den europäischen Markt ausgelegt; daher würden sich Spannungen und Spezifikationen ändern, falls es in den Vereinigten Staaten angeboten wird. Auch der Preis wurde nicht bekannt gegeben. Der Artikel weist darauf hin, dass das System insgesamt teurer als eine Batterie wie die Tesla Powerwall sein dürfte, während die Kosten pro Kilowattstunde aufgrund der höheren Kapazität möglicherweise niedriger ausfallen. Die finanzielle Rentabilität hängt weiterhin von den Strompreisen, den Tarifunterschieden zwischen den Tageszeiten und der Möglichkeit ab, an Programmen für virtuelle Kraftwerke teilzunehmen.
Die Einschätzung von certi.news
Die eigentliche Veränderung besteht hier in dem Versuch, eine große Heimbatterie von einer begrenzten Notstromfunktion zu einer Plattform weiterzuentwickeln, die Solarenergiespeicherung, die Reduzierung von Verbrauchsspitzen, die Unterstützung von Elektrofahrzeugen und möglicherweise Netzdienstleistungen miteinander verbindet. Das bisher gezeigte Produkt ist jedoch ein Vorserienmodell, und es liegen keine Informationen über den Preis, Zulassungen, Installationsbedingungen oder den Verkaufsstart vor. Daher kann EnergyGuard Max noch nicht als bestätigter Wendepunkt auf dem Markt gelten, sondern vielmehr als Hinweis auf eine mögliche technologische Entwicklung, deren Zukunft von den Kosten, den Anforderungen an die elektrische Infrastruktur, den örtlichen Vorschriften und der tatsächlichen Kompatibilität mit bidirektionalen Ladesystemen bestimmt werden wird.