Meta hat neue Maßnahmen zur Bekämpfung von Betrug in Polen angekündigt. Dazu gehören der Betrieb eines verbesserten Systems künstlicher Intelligenz zur Erkennung von Konten, die sich als Prominente und Personen des öffentlichen Lebens ausgeben, sowie die verpflichtende Überprüfung der Identität von 100 % der Werbetreibenden für Finanzdienstleistungen, deren Anzeigen sich an Nutzer im Land richten. Das Unternehmen erklärte, die Umsetzung der neuen Überprüfungsanforderungen werde in den kommenden Wochen abgeschlossen.
Der Schritt erfolgt angesichts veränderter Methoden von Betrügern, mit denen sie versuchen, Erkennungssysteme zu umgehen, wie Jakub Turowski, Leiter der Abteilung für öffentliche Politik in Mittel- und Osteuropa bei Meta, erklärte. Das Unternehmen machte in dem veröffentlichten Material keine technischen Angaben zum KI-Modell oder zu seiner Funktionsweise. Es erklärte jedoch, das verbesserte System solle Fälle der Identitätstäuschung anderer Personen reduzieren, und Polen sei eines der ersten europäischen Länder, in denen es eingeführt werde.
Maßnahmen gegen zwei wichtige Betrugsquellen
Die angekündigten Maßnahmen umfassen zwei grundlegende Bereiche:
- Erkennung von Identitätstäuschung: Meta nutzt Systeme künstlicher Intelligenz, um Betrugsversuche und Konten zu erkennen, die die Namen oder Bilder von Prominenten und Personen des öffentlichen Lebens verwenden. Das Unternehmen erklärt, diese Technologie habe die Zahl der Nutzermeldungen zu den am häufigsten für bekannte Persönlichkeiten missbrauchten Bildern um mehr als 80 % gesenkt.
- Überprüfung von Finanzanzeigen: Während die Überprüfung bisher in bestimmten Fällen verlangt wurde, etwa wenn ein möglicherweise verdächtiges Verhalten auftrat, wird Meta künftig die Überprüfung aller Werbetreibenden für Finanzdienstleistungen verlangen, die Polen ansprechen. Das Unternehmen betrachtet diesen Bereich als eine Kategorie, die häufig von Betrügern missbraucht wird.
Die polnische Überprüfungspolitik steht im Zusammenhang mit einem von Meta angekündigten globalen Ziel: Bis Ende 2026 sollen 90 % der weltweiten Werbeeinnahmen von überprüften Werbetreibenden stammen, verglichen mit 70 % im Jahr 2025. Das Material erläutert weder, wie dieser Anteil berechnet wird, noch die Einzelheiten der Überprüfungskriterien, die auf Werbetreibende in Polen angewendet werden sollen.
Die von Meta vorgelegten Zahlen
Das Unternehmen erklärte, die Rate der Meldungen über Anzeigen mit betrügerischen Aktivitäten in Polen sei zwischen Juli 2024 und Juni 2026 um 83 % gesunken. Außerdem teilte es mit, zwischen Juli 2025 und Juni 2026 in dem Land 137.000 betrügerische Anzeigen entfernt zu haben. Mehr als 88 % dieser Anzeigen seien entfernt worden, bevor sie von irgendeinem Nutzer gemeldet wurden.
Diese Zahlen verdeutlichen das Ausmaß der Maßnahmen, die Meta nach eigenen Angaben automatisiert durchführt, bevor Inhalte die Nutzer erreichen. Es handelt sich jedoch weiterhin um vom Unternehmen selbst stammende Daten; das Material enthält keinen unabhängigen Vergleich und keine externe methodische Überprüfung. Ebenfalls fehlen Angaben zur Zahl der Anzeigen, die die Erkennungssysteme passiert haben, zu den Raten falscher Warnungen oder zum Umgang mit Einsprüchen von Werbetreibenden und Nutzern.
Was ändert sich praktisch?
Werbetreibende für Finanzdienstleistungen, die den polnischen Markt erreichen möchten, werden mit einem verpflichtenden Überprüfungsschritt konfrontiert sein, statt dass dieser nur in Fällen verlangt wird, in denen Verdachtsindikatoren vorliegen. Nutzer sollen dagegen von einer strengeren Überwachung nachgeahmter Konten und betrügerischer Anzeigen profitieren. Die Wirksamkeit des neuen Systems wird jedoch von der Genauigkeit der Erkennung und der Schnelligkeit abhängen, mit der auf Methoden reagiert wird, die bislang noch nicht aufgetreten sind.
Meta reagierte in der Ankündigung außerdem auf eine Kampagne, die ihre finanziellen Motive und ihren Umgang mit Betrug kritisiert, und wies zurück, was sie als selektive Darstellung von Forschungsergebnissen und durchgesickerten Dokumenten bezeichnete. Dieser Punkt stellt die Position des Unternehmens dar und ist kein Ergebnis einer unabhängigen Überprüfung. Aus der Ankündigung geht sicher hervor, dass der Umfang der Überprüfung in Polen erweitert und ein verbessertes System künstlicher Intelligenz eingeführt wird. In welchem Umfang der Rückgang der Meldungen anhält und welche Auswirkungen die Maßnahmen auf den tatsächlichen Betrug haben, erfordert hingegen überprüfbare Daten unabhängiger Akteure.