Medtronic gab bekannt, rund 700 Millionen Dollar im Rahmen einer strategischen Partnerschaft mit Cornerstone Robotics, einem Unternehmen mit Sitz in Hongkong, zu investieren. Dadurch erhält Medtronic die Vertriebsrechte für dessen robotergestütztes chirurgisches System Sentire in China, Singapur und Europa. Medtronic wird das System neben seinem Hugo-Roboter anbieten – ein Schritt, der das Portfolio des Unternehmens im Bereich der Weichteilchirurgie außerhalb der USA erweitert.
Cornerstone entwickelte das Sentire-System intern. Im Mai 2026 erhielt der Roboter die europäische CE-Kennzeichnung für den Einsatz in der Allgemeinchirurgie sowie bei gynäkologischen, thoraxchirurgischen und urologischen Eingriffen. Das System erhielt außerdem die erforderlichen Zulassungen in China und Singapur, den Märkten, die von den bekannt gegebenen Vertriebsrechten abgedeckt werden, sowie in mehreren europäischen Märkten.
Was verändert die Partnerschaft praktisch?
Medtronic erklärte, der Vertrieb von Sentire parallel zu Hugo werde Krankenhäusern und Chirurgen je nach klinischem Umfeld, Art des Eingriffs und Wirtschaftsmodell eine größere Auswahl bieten. Die Vereinbarung beschränkt sich damit nicht auf die Bereitstellung von Kapital für Cornerstone, sondern erweitert Medtronics Angebot um ein robotergestütztes System, das in Märkten vertriebsbereit ist, in denen es regulatorische Zulassungen erhalten hat.
Geoff Martha, CEO von Medtronic, bezeichnete den Schritt als Teil einer globalen Ausrichtung des Unternehmens und mehrerer Investitionen in die Weichteilchirurgie. Während einer Telefonkonferenz zu den Unternehmensergebnissen wies er außerdem die Vorstellung zurück, die Investition spiegele ein nachlassendes Vertrauen in Hugo wider. Er sagte, das Gegenteil sei der Fall, und bekräftigte die Begeisterung des Unternehmens über die Fortschritte des Systems.
Wettbewerbskontext
Die Partnerschaft folgt weniger als ein Jahr nach der Erteilung einer Genehmigung der US-amerikanischen Food and Drug Administration für Hugo zur Anwendung bei urologischen Eingriffen. Damit wurde Hugo laut dem Ausgangsmaterial zum ersten robotergestützten Weichteilchirurgiesystem eines großen Medizintechnikunternehmens, das auf dem US-Markt mit dem da-Vinci-System von Intuitive konkurriert.
Auch das robotergestützte chirurgische System Ottava von Johnson & Johnson erhielt im Juli 2026 eine Zulassung der Food and Drug Administration. Parallel dazu reichte Medtronic 510(k)-Anträge ein, um die Nutzung von Hugo auf die Allgemeinchirurgie und die Gynäkologie auszuweiten. Vor Kurzem erhielt das Unternehmen außerdem eine Genehmigung für eine Anwendung, die künstliche Intelligenz zur Unterstützung der Entscheidungsfindung während robotergestützter Eingriffe einsetzt.
Warum ist diese Nachricht wichtig?
Medtronic setzt auf einen Markt, in dem der weltweite Anteil robotergestützter Operationen weiterhin im einstelligen Prozentbereich liegt, während er in Schwellenmärkten laut Aussagen von Martha gegenüber Investoren bei rund 1 % liegt. Das Unternehmen erklärt, Hugo sei in 35 Ländern verfügbar und das Wachstum der mit dem System durchgeführten Eingriffe übertreffe die Wachstumsrate des Marktes für robotergestützte Chirurgie um mehr als das Doppelte. Zudem werde erwartet, dass die Gesamtzahl der Eingriffe bis zum Ende des Geschäftsjahres 50.000 übersteigt und 250 Einheiten installiert sein werden.
Diese Zahlen und Prognosen werden Medtronic zugeschrieben und belegen für sich genommen nicht die künftige Größe des Marktanteils. Außerdem sind die Vertriebsrechte für Sentire für bestimmte Märkte außerhalb der USA bekannt gegeben worden; das Material enthält keine Angaben zur Höhe der Barinvestition im Verhältnis zu den Vertriebsrechten, zum Zeitplan für den Vertriebsbeginn oder zu den Bedingungen der Geschäftspartnerschaft. Die praktischen Auswirkungen werden daher davon abhängen, inwieweit die beiden Systeme unterschiedliche klinische und wirtschaftliche Anforderungen abdecken können, sowie von der anschließenden regulatorischen und kommerziellen Expansion.