Das Unternehmen Turbo Law entwickelt eine KI-Plattform für Rechtsteams, die mit umfangreichen und komplexen Klageakten arbeiten. Sie führt die Dokumente und Daten eines Falls in einem einzigen Arbeitsbereich zusammen und zeigt Verbindungen zwischen Parteien, Sachverständigen, Verteidigungsargumenten und Daten auf. Das 2025 von Jay Sarmaz und Özgür Bora Gevrek gegründete Unternehmen richtet sich an Anwaltskanzleien, die in Verteidigungsfällen tätig sind, sowie an Versicherungsunternehmen.
Aktenanalyse mit Zuordnung der Ergebnisse zu ihren Quellen
Die Plattform nutzt ein System namens Fact Graph, um die Elemente eines Falls miteinander zu verknüpfen, anstatt lediglich jedes Dokument einzeln zu durchsuchen. Turbo Law zeigt außerdem das Dokument an, auf dem jede Information oder jedes Ergebnis beruht. Dadurch können Anwälte die Ergebnisse der künstlichen Intelligenz überprüfen und validieren, bevor sie diese in der juristischen Arbeit verwenden.
Das Unternehmen konzentrierte sich zunächst stärker auf medizinische Klagen und weitete seinen Tätigkeitsbereich anschließend auf verschiedene Arten von Verteidigungsfällen aus. Neben der Dokumentenanalyse bietet die Plattform Werkzeuge zur Entwicklung einer Fallstrategie, für juristische Recherche, zur Erstellung von Dokumenten und zur Verwaltung von Vergleichen sowie einen kontinuierlichen KI-Assistenten, den das Fallteam während aller Phasen des Falls nutzen kann.
Eine Plattform, die nicht von einem einzigen Modell abhängt
Turbo Law erklärt, dass seine Architektur unabhängig von einem bestimmten KI-Modell ist und für jede Aufgabe das Modell auswählt, das die erforderlichen Qualitätsstandards effizienter erfüllt. Zu den Optionen können Open-Source-Modelle sowie Dienste wie ChatGPT, Claude und Gemini gehören. Das Produkt wurde über einen Zeitraum von etwa einem Jahr gemeinsam mit Organisationen, die es als Designpartner nutzen, entwickelt, getestet und verbessert.
Nutzungs- und Finanzierungsindikatoren
Nach den vom Unternehmen veröffentlichten Angaben umfasst die Plattform mehr als 2.500 aktive Klagen gegenüber 1.800 Klagen, als das Unternehmen im Juni seine Seed-Runde bekannt gab. Turbo Law erklärt außerdem, dass seine Kunden eine Verringerung der nicht abrechenbaren Arbeitsstunden pro Klage um 60 % sowie einen Rückgang der Abzüge von den in Rechnung gestellten Honoraren um 10 % erzielt hätten.
Das Unternehmen verfolgt ein abonnementbasiertes Modell, das sich nach der Anzahl der Nutzer richtet, und erhebt eine geringe Gebühr für die Informationsgewinnung, wenn ein Dokument erstmals verarbeitet wird. Bis heute hat Turbo Law eine Seed-Finanzierung in Höhe von 3,8 Millionen US-Dollar eingesammelt, angeführt von Revo Capital und unter Beteiligung von Treeo VC, BridgeX Ventures und Alchemist Accelerator sowie Gokul Rajaram, mehreren Führungskräften amerikanischer Technologieunternehmen und Fachleuten aus dem Rechtssektor.
Was zeichnet den Ansatz aus?
Der von Turbo Law vorgestellte Unterschied besteht darin, die Klageakte zur grundlegenden Analyseeinheit zu machen und die Ergebnisse mit ihren Quellen zu verknüpfen, anstatt einen allgemeinen KI-Assistenten anzubieten. Das Unternehmen positioniert sich im Wettbewerb mit breiter aufgestellten Plattformen wie Harvey und Legora sowie mit juristischer Software wie CoCounsel, Lexis Protege und Disco.
In der Praxis kann dieser Ansatz Teams zugutekommen, die große Beweismengen prüfen müssen und dabei die Möglichkeit zur Nachvollziehbarkeit wahren wollen. Die Zahlen zur Zeitersparnis und zur Verringerung der Abzüge stammen jedoch vom Unternehmen selbst. Der Artikel enthält keine unabhängigen Angaben zu ihrer Messmethodik oder zu Fehlerraten und rechtlichen Einschränkungen bei der Nutzung der Plattformausgaben. Daher müssen diese Aspekte weiter überprüft werden, bevor die Auswirkungen des Produkts in größerem Maßstab bewertet werden können.