Ring, die Smart-Home-Sparte von Amazon, hat die Einführung eines neuen Verschlüsselungsstandards namens TAKE angekündigt, eine Abkürzung für Throw Away the Key Encryption. Er soll zur Standardeinstellung für die Verschlüsselung und Steuerung von Videoaufnahmen in den Cloud-Diensten des Unternehmens werden. Das Unternehmen erklärte, die Einführung des Standards werde im September schrittweise für Kunden beginnen und weltweit als Standardoption verfügbar sein.
TAKE soll den Zielkonflikt zwischen dem Schutz der Privatsphäre und dem Betrieb bestimmter Cloud-Funktionen lösen, die bei Verwendung einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ausfallen oder eingeschränkt sein könnten. Zu diesen Funktionen gehören die Videosuche, die Beschreibung des Inhalts sowie der Zugriff für vertrauenswürdige Nutzer. Hinzu kommen intelligente Benachrichtigungen, die Meldungen senden, wenn Personen, Fahrzeuge oder Pakete vor der Kamera erkannt werden.
Wie funktioniert der TAKE-Standard?
Nach Angaben von Ring basiert der Standard auf einer wechselnden Gruppe von Verschlüsselungsschlüsseln, die vorübergehend in der Cloud gespeichert werden und ausschließlich von der Unternehmensseite für den Betrieb der vom Nutzer aktivierten Funktionen zugänglich sind. Nach Abschluss der Anfrage löscht das Unternehmen die Schlüssel eigenen Angaben zufolge innerhalb von 24 Stunden.
Dadurch kann Ring Videos bei Bedarf vorübergehend entschlüsseln und verarbeiten, wenn eine Cloud-Funktion ausgeführt werden muss, und anschließend den verwendeten Verschlüsselungsschlüssel verwerfen. Das Unternehmen erklärt, dass nach dem Löschen der temporären Schlüssel nur der Nutzer die Schlüssel zu seinen Videos besitzt. Praktisch unterscheidet sich dieses Modell jedoch von einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, da der Betrieb bestimmter Dienste voraussetzt, dass Ring vorübergehend in der Lage ist, die Inhalte zu verarbeiten.
Was ändert sich für die Nutzer?
Kunden erhalten TAKE schrittweise als Standardeinstellung, wobei weiterhin die Möglichkeit besteht, die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung manuell auszuwählen. Diese letztgenannte Option bietet ein anderes Schutzniveau, kann jedoch laut Angaben des Unternehmens Funktionen wie die Suche in Aufnahmen, intelligente Benachrichtigungen oder die Freigabe des Zugriffs für vertrauenswürdige Nutzer einschränken.
Ring erklärt, der Standard sei auf Grundlage des Standards Messaging Layer Security (MLS) entwickelt worden, eines offenen Messaging-Standards, der von der Internet Engineering Task Force (IETF) entwickelt wurde. Der TAKE-Mechanismus ermöglicht außerdem die Wiederherstellung der Verschlüsselungsschlüssel, wenn der Zugriff auf das Gerät verloren geht und ein neues Gerät gekauft wird, indem sich der Nutzer in der Nähe von Ring-Kameras authentifiziert. Das Unternehmen nennt weitere Möglichkeiten zur Kontowiederherstellung, darunter eine Passphrase, Cloud-Backups, ein anderes vertrauenswürdiges Gerät oder Passkeys.
Warum ist diese Änderung wichtig?
Die Änderung fügt nicht lediglich eine neue technische Einstellung hinzu, sondern legt auch neu fest, welche Stelle die Aufnahmen der Kamera verarbeiten kann und wann dies möglich ist. Sie gibt Ring mehr Spielraum für den Betrieb weiterer Cloud-Funktionen, setzt jedoch voraus, dass der Nutzer auf die Zusagen des Unternehmens vertraut, die temporären Schlüssel innerhalb der festgelegten Frist zu löschen. Daher bleiben Einzelheiten der Umsetzung, Mechanismen zur Überprüfung der Löschung und die Grenzen des Zugriffs auf die Videos wichtige Punkte für die praktische Prüfung.
Die Ankündigung erfolgt nach Kritik, der Ring in den vergangenen Monaten wegen der Funktion Familiar Faces ausgesetzt war, die Gesichtserkennung zur Identifizierung von Besuchern verwendet. Im Juni warf eine Sammelklage Amazon vor, Bilder von Passanten ohne deren Zustimmung zu speichern. Die neue Ankündigung belegt nicht, dass dieses konkrete Problem gelöst wird, macht jedoch die Verschlüsselungsoptionen und die Grenzen der Cloud-Verarbeitung für Nutzer, die zwischen Privatsphäre und intelligenten Funktionen abwägen, noch wichtiger.