Ein türkisches Team aus vier miteinander verwandten und verschwägerten Lehrkräften entwickelte einen sprachbasierten KI-Agenten namens MAHİR, um den Lernverlauf von Schülern zu analysieren und Lehrkräfte bei der Beobachtung ihrer Entwicklung zu unterstützen. Das Projekt erreichte beim Wettbewerb „Sprachbasierte KI-Agenten zur Verarbeitung und Nachverfolgung staatlicher Dokumente“ im Rahmen des TEKNOFEST den zweiten Platz, nachdem in Kocaeli mehrere hundert Projekte miteinander konkurriert hatten.
Das Team besteht aus Zülal Ülker Daştan, Literaturlehrerin und Projektkoordinatorin im Bildungsdirektorat der Provinz Erzurum, ihrem Ehemann, dem Religions- und Ethiklehrer Lokman Daştan, außerdem ihrer Schwester, der Naturwissenschaftslehrerin Gonca Ergül, sowie Ergüls Ehemann, dem Mathematiklehrer Hakan Ergül. Die Entwicklung des Projekts dauerte etwa fünf Monate.
Wie funktioniert MAHİR?
Nach Angaben des Teams verknüpft MAHİR die „Lernnachweise“, die ein Schüler während des Bildungsprozesses sammelt, mit den Lernergebnissen und erstellt anschließend evidenzbasierte pädagogische Analysen und Verbesserungsvorschläge. Das System sammelt außerdem Daten aus den im Rahmen des Modells „Wissen des türkischen Jahrhunderts“ erstellten Rahmenplänen und Lehrplänen, um Lehrkräfte dabei zu unterstützen, die aktuelle Lernphase eines Schülers zu bewerten und den nächsten pädagogischen Schritt festzulegen.
Das Projekt zielt darauf ab, den Zeitaufwand für die Bewertung von Prüfungen, die Analyse lernbezogener Daten und die Beobachtung der Schülerentwicklung zu verringern. Das Team beschreibt das System als Unterstützung für Lehrkräfte und nicht als deren Ersatz. Es soll ihnen dabei helfen, eine Roadmap zur Einschätzung des Leistungsstands ihrer Schüler zu erstellen und anschließend pädagogische Entscheidungen zu treffen.
Was ist an dieser Entwicklung bedeutsam?
Die Bedeutung des Projekts liegt darin, dass es von einem Team stammt, das innerhalb des Bildungsprozesses arbeitet und dessen Mitglieder sagen, die Idee sei aus familiären Gesprächen über alltägliche Probleme an Schulen entstanden. MAHİR konzentriert sich zudem auf die türkische Sprache und auf Daten, die mit dem lokalen Bildungssystem verbunden sind, anstatt ein allgemeines, von den Lehrplänen und den geltenden Bewertungsmechanismen losgelöstes Werkzeug bereitzustellen.
Lokman Daştan sagte, das neue Bildungsmodell konzentriere sich nicht nur auf das Endergebnis, sondern auf den kontinuierlichen Bildungsprozess, wodurch der Bedarf an der Analyse von Dokumenten und Messungen im Zusammenhang mit Schülern steige. Er schätzte, dass die Umsetzung der Idee mit der Verarbeitung von zwei Milliarden Dokumenten jährlich verbunden sein könnte. Diese Schätzungen wurden von der Agentur unter Berufung auf das Team übermittelt und in dem Beitrag nicht durch zusätzliche technische oder operative Einzelheiten untermauert.
Grenzen und offene Fragen
Die Quelle erläutert nicht, ob MAHİR bereits in großem Umfang an Schulen eingesetzt wird, auf welcher technischen Infrastruktur es basiert oder wie die Daten der Schüler geschützt und die Genauigkeit der Analysen und Empfehlungen überprüft werden. Ebenso fehlen Angaben zum Sprachmodell, zu den Mechanismen der Integration des Systems in bestehende Bildungsplattformen oder zu unabhängigen Testergebnissen, die seine Auswirkungen auf die Leistung von Lehrkräften und Schülern messen. Der Erfolg beim TEKNOFEST ist daher ein Hinweis auf die herausragende Qualität der Idee im Wettbewerb, belegt jedoch noch nicht die Einsatzbereitschaft des Systems für eine breite Einführung.
Das Team beabsichtigt, das Projekt weiterzuentwickeln. Nach Ansicht seiner Mitglieder half ihnen ihre rund 19 bis 20 Jahre umfassende Bildungserfahrung dabei, das Problem zu bestimmen, das MAHİR zu lösen versucht.