Das Unternehmen Gudea will die Überwachung der digitalen Reputation vom Zählen von Erwähnungen und Hashtags hin zum Verständnis verlagern, wie sich Informationen bewegen und wer ihre Verbreitung vorantreibt. Das Unternehmen nutzt künstliche Intelligenz, um Verhaltensweisen, Beziehungen und die Wege zu analysieren, über die sich Geschichten und Gerüchte verbreiten. Ziel ist es, Institutionen auf Anzeichen einer Krise hinzuweisen, bevor diese an Umfang gewinnt.
Die Plattform deckt mehr als 500 Websites und Plattformen ab, darunter X, Reddit und TikTok sowie große und kleinere, eher randständige Websites. Statt eine Institution lediglich darüber zu informieren, dass die Zahl der Erwähnungen ihrer Marke gestiegen ist, versucht Gudea, die Gründe für den Anstieg zu erklären, einflussreiche Akteure oder Netzwerke zu bestimmen, die Geschwindigkeit der Verbreitung einer Geschichte zu messen und die möglichen Wege vorauszusehen, die sie nehmen könnte.
Von der Überwachung von Signalen zur Analyse des Informationsverlaufs
Das Unternehmen ist der Ansicht, dass herkömmliche Social-Listening-Tools sich häufig auf Kennzahlen wie die Zahl der Beiträge, Hashtags und Impressionen konzentrieren. Sie zeigen jedoch nicht unbedingt, wie eine Information zwischen Personen, Gruppen und Plattformen weitergegeben wurde. Dieser Unterschied ermöglicht es Entscheidungsträgern einzuschätzen, ob ein Eingreifen erforderlich ist, und die Art der Reaktion festzulegen, statt jeden Anstieg der Interaktion als Krise zu behandeln.
Gudea stellte seinen Ansatz während der Veranstaltung Startup Battlefield im Rahmen von TechCrunch Disrupt 2026 vor. Gründer und CEO Keith Presley sagte, dass Kommunikations- und Marketingverantwortliche weiterhin auf veraltete Tools angewiesen seien, die ursprünglich vor allem dafür entwickelt worden seien, Hashtags und Impressionen zu zählen, nicht aber, die Struktur hinter der Verbreitung von Narrativen zu verstehen.
Hintergrund des Unternehmens und Wachstum des Kundenstamms
Gudea wurde 2023 von Presley, Jonathan Sperber und James Thomin gegründet. Vor der Gründung des Unternehmens arbeitete das Team im Rahmen der George Washington Initiative, einer nach der Wahl von 2020 gegründeten gemeinnützigen Organisation. Dort untersuchte das Team die Online-Umgebungen, in denen Informationskampagnen entstehen, sowie die Wege, die Narrativen helfen, ein größeres Publikum zu erreichen.
Nach rund drei Jahren seit dem Start erklärt das Unternehmen, es habe fast 40 Kunden, darunter ein Telekommunikationsunternehmen und ein Einzelhandelsunternehmen aus der Fortune-50-Liste, eines der weltweit größten KI-Labore sowie Agenturen für Öffentlichkeitsarbeit und Krisenkommunikation und Regierungsbehörden. Das Unternehmen hat die Namen der Kunden nicht bekannt gegeben.
Warum ist diese Entwicklung wichtig?
Presley führt die wachsende Nachfrage nach diesen Tools auf die Verbreitung generativer künstlicher Intelligenz zurück, die die Kosten für die Produktion von Inhalten und die Koordinierung digitaler Kampagnen gesenkt habe. Seiner Einschätzung zufolge waren nicht authentische Aktivitäten in der Anfangszeit in etwa einem von vier Fällen zu beobachten, die das Unternehmen untersuchte, gegenüber derzeit etwa neun von zehn Fällen. Diese Zahl stellt eine Einschätzung des Unternehmens dar und ist keine unabhängige Messung.
Gudea gab außerdem bekannt, in einer Seed-Finanzierungsrunde 7 Millionen US-Dollar eingesammelt zu haben. Die Runde wurde unter anderem von Mudita Venture Partners und Silicon Road Ventures angeführt. Damit stieg die Gesamtfinanzierung des Unternehmens auf rund 15 Millionen US-Dollar.
Was plant das Unternehmen?
Gudea beabsichtigt, im kommenden Jahr eine Funktion zur geografischen Lokalisierung von Narrativen zu entwickeln. Laut Presley sollen die Orte der Gespräche dabei bis auf die Ebene eines Stadtblocks genau bestimmt werden können. Außerdem will das Unternehmen die Analyse-Tools breiter zugänglich machen, sodass Institutionen beispielsweise eine Werbekampagne vor ihrer Veröffentlichung über das Modell testen können, um die Wahrscheinlichkeit negativer Ergebnisse einzuschätzen.
Die Fähigkeit der Plattform, den Verlauf einer Geschichte vorherzusagen oder die Wirkung einer Kampagne zu bewerten, bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass eine Krise verhindert oder die Absichten der Beteiligten präzise erklärt werden können. Die Qualität der Ergebnisse wird weiterhin vom Umfang der Daten abhängen, auf die die Plattform zugreifen kann, sowie davon, wie zwischen koordinierten Aktivitäten und authentischen Inhalten unterschieden wird. Zu diesen Punkten lieferte die Quelle keine unabhängigen technischen Details.