Die Türkei hat erstmals an Bord eines Militärschiffs ein System getestet, das robotische Chirurgie mit medizinischer Fernunterstützung über 5G ermöglicht. Der Test fand an Bord der TCG Anadolu während der TEKNOFEST-Mavi-Vatan-Veranstaltungen im Kommando der Werft in Gölcük statt. Es handelte sich nicht um einen Eingriff an einem Patienten, sondern um eine erste Anwendung an einem Organmodell – ein Schritt innerhalb eines 1,5 Jahre dauernden Projekts zur Entwicklung der Fernchirurgie in maritimen Umgebungen.
Das Projekt soll es medizinischen Teams an Land ermöglichen, Beratung und Anleitung zu leisten und in späteren Phasen ferngesteuerte robotische Eingriffe an Bord des Schiffs durchzuführen. Den in dem Beitrag wiedergegebenen Aussagen zufolge bereitet sich die Türkei darauf vor, das erste Land zu werden, das diese Art von Operation an Bord eines Militärschiffs mit medizinischen Fähigkeiten der Stufe Rol-2 durchführt. Diese Bezeichnung bezieht sich jedoch auf den Entwicklungsweg des Projekts und nicht darauf, dass bislang ein ferngesteuerter Eingriff am Menschen abgeschlossen wurde.
Was haben die medizinischen Teams getestet?
Der an Bord der TCG Anadolu befindliche Operationsroboter wurde mit einem weiteren Roboter im Universitätsklinikum Kocaeli verbunden. In der aktuellen Phase gaben die Ärzte des Krankenhauses dem Chirurgen an Bord aus der Ferne Anleitung. Dies wird als Tele-Mentoring bezeichnet, also als Anleitung oder Erfahrungsaustausch während der Durchführung des Eingriffs, und nicht als vollständig autonome Fernchirurgie.
Die Beteiligten erklärten, dass das Projekt mehrere aufeinanderfolgende Phasen umfasst: zunächst medizinische Fernberatung, anschließend Anleitung und Überwachung während des Eingriffs, danach experimentelle robotische Chirurgie und schließlich der Übergang zu ferngesteuerten Operationen. Zu den möglichen Anwendungen gehören den Aussagen zufolge Gallenblasen- und Blinddarmoperationen sowie einige Eingriffe in der Gynäkologie und Geburtshilfe.
Reaktionszeit und die Herausforderung auf See
Der Versuch ergab eine Reaktionszeit von etwa 135 Millisekunden. Zudem hieß es, dass Operationen über das 5G-Netz mit einer Latenz von weniger als 200 Millisekunden durchgeführt werden konnten. Das bedeutet, dass die Bewegung des Steuergeräts am Standort des Arztes mit der Bewegung des chirurgischen Instruments auf dem Schiff mit einer begrenzten zeitlichen Abweichung synchronisiert wird – ein entscheidender Faktor bei jeder Form der Fernchirurgie.
Eine zusätzliche Herausforderung ist die maritime Umgebung, in der Schiffe Vibrationen und Beschleunigungen ausgesetzt sind, die durch die Bewegung der Motoren und Wellen entstehen. Die Beteiligten erklärten, dass das Design der TCG Anadolu dazu beiträgt, diese Vibrationen zu verringern und damit im Vergleich zu einem herkömmlichen Militärschiff eine geeignetere Umgebung für den Test des Systems zu schaffen.
Warum ist diese Entwicklung wichtig?
Die TCG Anadolu verfügt über eine medizinische Einheit mit 32 Betten, eine Intensivstation mit 8 Betten, eine fortschrittliche Einheit zur Behandlung von Verbrennungen, zwei Operationssäle, eine zahnmedizinische Einheit sowie Bildgebungssysteme, eine Blutbank und ein Labor. Die vom Land unterstützte robotische Chirurgie könnte daher eine neue Ebene der medizinischen Versorgung für Besatzungsmitglieder und Soldaten während entfernter Einsätze hinzufügen.
Der Übergang von der Fernanleitung zur vollständigen Fernchirurgie erfordert jedoch weitere Testphasen. Professor Doktor Önder Kara von der Universität Kocaeli erklärte, der nächste Schritt bestehe darin, zwei verbundene Steuerkonsolen zu verwenden, um eine Fernoperation an einem Tiermodell durchzuführen und anschließend zu einem lebenden menschlichen Modell überzugehen.