MONOist Japan präsentiert eine analytische Betrachtung der Beziehung zwischen IT-Systemen im Fertigungssektor und dem sogenannten „Tod von SaaS“, wobei der zunehmenden Rolle von KI-Agenten bei der Ausführung geschäftlicher Aufgaben besondere Aufmerksamkeit gilt. Die zentrale Idee besteht nicht darin, dass als Service bereitgestellte Software vollständig verschwinden wird, sondern darin, dass sich die Art und Weise, wie Mitarbeitende mit Unternehmenssystemen umgehen, grundlegend verändern könnte, wenn ein Agent in der Lage ist, die Arbeit anstelle des Benutzers auszuführen.
Der Beitrag stützt sich auf einen umfassenderen Wandel im Verständnis von Geschäftssystemen. Seit mehr als 15 Jahren drehte sich die Diskussion darum, warum Unternehmen Systeme benötigen, auf die Mitarbeitende nicht verzichten können, selbst wenn einige ihrer Funktionen begrenzt sind oder andere Aufgaben mit Excel erledigt werden. ERP-Systeme (Enterprise Resource Planning) und Produktionsmanagement stellten das deutlichste Beispiel für zentrale Systeme dar, mit denen die täglichen Abläufe verbunden sind.
Die jüngsten Entwicklungen bei generativer künstlicher Intelligenz und Agenten, die mehrere Aktionen ausführen können, beginnen jedoch, diesen Ausgangspunkt zu verändern. Der Beitrag erwähnt die Einführung des Tools „Claude Cowork“ durch Anthropic im Februar 2026. Es kann lokale Dateien auf dem Computer und einen Webbrowser bedienen sowie Büroaufgaben und andere Tätigkeiten automatisiert ausführen. Der Analyse zufolge könnte die Weiterentwicklung dieser Art von Agenten den Bedarf verringern, dass Mitarbeitende direkt mit jeder Funktion eines Geschäftssystems oder dessen herkömmlicher Oberfläche interagieren.
Was ist mit dem „Tod von SaaS“ tatsächlich gemeint?
Der Beitrag verwendet den Begriff nicht, um das Ende aller Software-as-a-Service-Dienste zu bezeichnen. Gemeint ist die Möglichkeit, dass bestimmte Anwendungen künftig weniger auf die bisherige Weise genutzt werden, nachdem ein KI-Agent die Interaktion mit den Systemen und die erforderlichen Schritte stellvertretend für die Mitarbeitenden übernimmt. In diesem Modell könnte die vom Benutzer aufgerufene Oberfläche an Bedeutung verlieren, während der kontrollierte Zugriff auf Daten und die Fähigkeit, Aktionen auszuführen, wichtiger werden als das Erscheinungsbild der Anwendung selbst.
Der Beitrag nennt zwei Punkte zum Verständnis dieses Wandels. Erstens sind manche Systeme um für die Arbeit notwendige Abläufe und Einschränkungen herum konzipiert, und ein KI-Agent kann seine Aufgaben möglicherweise nicht vollständig ohne menschliches Eingreifen oder ohne die Einhaltung bestimmter betrieblicher Einschränkungen ausführen. Zweitens könnten sich die Systeme mit dem Fortschritt der künstlichen Intelligenz verändern, indem ihre Fähigkeiten schrittweise in den Arbeitsablauf integriert werden, anstatt die KI als vom Basissystem getrenntes Werkzeug beizubehalten.
Warum sind Fertigungssysteme und ERP betroffen?
ERP- und Produktionsmanagementsysteme stehen im Zentrum dieser Diskussion, weil sie mit wesentlichen Abläufen umgehen, die sich nur schwer von den Daten und Prozessen eines Unternehmens trennen lassen. Der Beitrag weist darauf hin, dass diese Systeme in vielen Fällen weiterhin an lokale Betriebsumgebungen gebunden waren, obwohl sich Cloud-Software verbreitete. Gleichzeitig arbeiten globale Technologieunternehmen wie Salesforce, ServiceNow, Workday, SAP, Oracle und Microsoft daran, KI- und Agentenfunktionen in ihre Cloud-Produkte zu integrieren.
Dieser Unterschied schafft ein Gefälle zwischen Cloud-Anbietern und ERP-Systemanbietern. Außerdem müssen Unternehmen, die ein neues ERP-Projekt planen, die KI-Bereitschaft des Systems in die Anforderungen einer Ausschreibung (RFP) aufnehmen. Die Auswahl des Systems hängt nicht mehr nur von den aktuellen Funktionen ab, sondern auch davon, inwieweit es neue Modelle für die Interaktion mit Daten und Prozessen aufnehmen kann, wenn Agenten Teil der Arbeitsumgebung werden.
Was ändert sich in der Praxis?
Wenn sich die im Beitrag diskutierte Hypothese bewahrheitet, könnte sich der Schwerpunkt von der Anwendung, die der Mitarbeitende öffnet, auf eine KI-Schicht verlagern, die im Hintergrund mit mehreren Systemen interagiert. Statt Daten einzugeben und Schritt für Schritt zwischen Bildschirmen zu navigieren, könnte der Benutzer den Agenten mit der Ausführung einer bestimmten Aufgabe beauftragen, während dieser auf die Informationen zugreift und die durch Berechtigungen und Regeln erlaubten Aktionen ausführt.
Der Beitrag stellt dies jedoch nicht als feststehendes Ergebnis dar. Da bei bestimmten Aufgaben weiterhin menschliches Eingreifen erforderlich ist, werden Systeme nicht allein durch das Auftreten von Agenten wertlos. Außerdem hängt der Erfolg des Agenten von den Daten ab, auf die er zugreifen kann, von seinem Verständnis des Unternehmenskontexts und von den Einschränkungen, die Entscheidungen und Abläufe bestimmen. Daher könnte die tatsächliche Veränderung in einer Neuverteilung der Rollen zwischen Mitarbeitendem, KI-Agent und Geschäftssystem liegen und nicht in einer sofortigen Ablösung von SaaS.
Die certi.news-Einordnung
Die Bedeutung dieses Ansatzes für IT-Leiter und Fertigungsteams liegt darin, dass er die Diskussion von der Frage „Sollen wir SaaS kaufen?“ zu einer praktischeren Frage verlagert: „Welchen Teil muss der Benutzer weiterhin innerhalb des Systems ausführen?“ Die beschriebene Entwicklung setzt Anbieter von Geschäftssystemen unter Druck, nachzuweisen, dass ihre Produkte nicht nur Daten und Funktionen besitzen, sondern auch eine sichere Grundlage bieten, die sich in KI-Agenten integrieren lässt.
Der Beitrag belegt hingegen nicht, dass der „Tod von SaaS“ eintreten wird, und legt auch keinen Zeitplan dafür fest. Ebenso präsentiert er keine Umsetzungsergebnisse oder Zahlen, die die Auswirkungen von Claude Cowork oder anderen Lösungen auf ERP-Systeme messen. Sicher aus dem Text hervorgeht nur die Richtung der Diskussion: KI-Agenten bedrohen das herkömmliche Interaktionsmodell mit Anwendungen, während zentrale Systeme, Daten und Geschäftsregeln entscheidende Faktoren dafür bleiben, wie schnell und wie weit der Wandel voranschreitet.