Das Unternehmen Industrial Next will die Art und Weise verändern, wie Fabriken mit industrieller Automatisierung umgehen – mit Robotern, die innerhalb von Minuten statt Wochen oder Monaten zwischen verschiedenen Aufgaben und Produkten wechseln können. Das in San Francisco ansässige Start-up erklärt, seine autonomen Roboterstationen könnten neu konfiguriert werden, ohne jedes Mal auf herkömmliche Programmierung angewiesen zu sein oder die Ausrüstung auszutauschen, wenn sich die Produktionslinie verändert.
Industrial Next stellte seine Technologie während der Teilnahme am Startup Battlefield auf der Bühne von TechCrunch Disrupt 2026 vor und gab außerdem eine Partnerschaft mit dem BMW Group Technology Office bekannt, um die Fähigkeiten der von künstlicher Intelligenz unterstützten präzisen manuellen Bearbeitung in Fertigungsumgebungen zu evaluieren.
Was entwickelt Industrial Next?
Das Unternehmen setzt auf Roboterstationen, die Computer Vision, das Verständnis des Aufgabenkontexts und Bewegungssteuerung über intern entwickelte grundlegende Modelle miteinander verbinden. Anstatt den Roboter für jedes Produkt eine feste Abfolge von Befehlen zu lehren, erklärt das Unternehmen, seine Stationen könnten neu konfiguriert, integriert und über mehrere Produktionslinien hinweg eingesetzt werden.
Der Roboter wird durch Simulationen und praktische Demonstrationen für neue Aufgaben trainiert und nicht ausschließlich durch manuell verfasste Skripte. Industrial Next verwendet eine hochpräzise Simulations-Engine, die die Dynamik der realen Welt nachbildet. Dadurch können Roboter auch für präzise und komplexe Aufgaben trainiert werden, selbst wenn der Prozess nicht vollständig auf der Erkennung von Teilen basiert.
Von der starren Programmierung zur flexiblen Fertigung
Herkömmliche Industrieroboter arbeiten in der Regel an Aufgaben, die spezifisch und in hohem Maße wiederholbar sind. Daher kann eine kleine Veränderung an der Form des Produkts oder an den Prozessschritten zum Ausfall des Roboters oder zu einem kostspieligen Stillstand führen. Das veranlasst Fabriken mitunter dazu, ihre Produkte zu vereinfachen, damit sie zu den Grenzen der verfügbaren Automatisierung passen.
Das Unternehmen erklärt, einige seiner Stationen würden bereits bei der Herstellung eines der weltweit am weitesten verbreiteten Smartphones eingesetzt, um Aufgaben auszuführen, deren Automatisierung Hersteller zuvor ohne Erfolg versucht hätten, etwa das Führen eines präzisen flexiblen Kabels und das Befestigen einer kleinen Anschlussabdeckung. Eine andere Station entfernt demnach Schutzfolien von Kameramodulen und Tasten. Industrial Next zufolge erreicht sie dabei menschliche Geschwindigkeit oder übertrifft diese bei einer Genauigkeit von 100 Prozent – selbst nachdem sie auf ein neues Smartphone-Modell und eine neue Produktionslinie übertragen wurde.
Warum ist diese Entwicklung wichtig?
Sollten sich diese Ergebnisse bestätigen und sollte das Unternehmen sie über die spezifischen Anwendungsfälle hinaus ausweiten können, könnte die Technologie die Zeit verkürzen, die für die Anpassung von Produktionslinien bei der Einführung neuer Produkte oder der Änderung eines bestehenden Designs erforderlich ist. Die Bedeutung liegt hier nicht darin, einen Roboter durch einen anderen zu ersetzen, sondern darin, die Fertigungsstation selbst wiederverwendbarer zu machen.
Die Quelle liefert jedoch keine unabhängigen Details zum Umfang der derzeitigen Einsätze, zu den Kosten der Stationen oder dazu, in welchem Maß sie während der Einrichtung und des Betriebs auf menschliches Eingreifen angewiesen sind. Außerdem beschreibt die Ankündigung der Zusammenarbeit mit dem BMW Group Technology Office eine Evaluierungsphase und keine umfassende kommerzielle Einführung. Industrial Next erklärt, letztlich seine Technologie auf komplexere Aufgaben anwenden zu wollen, bis hin zur Herstellung eines vollständigen Fahrzeugs. Dieses Ziel bleibt jedoch eine zukünftige Ambition und ist kein im aktuellen Bericht belegtes Ergebnis.
Hintergrund des Unternehmens
Industrial Next wurde 2021 von Lukas Pankau und Allen Pan gegründet, die zuvor bei Tesla tätig waren. Pankau war bei Tesla leitender Architekt für Elektrosysteme, bevor er zu Waymo wechselte, während Pan bei Tesla die Bemühungen um autonome Fabriken leitete und anschließend Chefarchitekt beim auf autonomes Fahren spezialisierten Unternehmen Neolix wurde.