KI-Programmieragenten sind laut den Ergebnissen der zehnten Ausgabe der von JetBrains unter mehr als 15.000 professionellen Entwicklern weltweit durchgeführten Developer Ecosystem Survey 2026 zu einem festen Bestandteil der Werkzeuge von Entwicklern geworden. Die Umfrage zeigt, dass 90 % der Befragten zwischen Mai und Juli 2026 mindestens einmal pro Woche Programmieragenten bei der Arbeit eingesetzt haben, während 68 % sie täglich verwendeten – entweder über lokale Agenten oder entfernte Cloud-Dienste.
Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Programmieragenten den Schritt von einem neuartigen Experiment zu einer praktischen Komponente des täglichen Arbeitsablaufs vollzogen haben. Die im Bericht genannten Nutzungszahlen spiegeln jedoch die Antworten der Umfrageteilnehmer wider und bedeuten nicht zwangsläufig, dass alle Nutzungsformen hinsichtlich ihrer Tiefe oder ihrer Einbindung in Entwicklungsteams gleich sind.
Claude Code führt das Rennen bei der Nutzung an
Claude Code setzte sein rasantes Wachstum fort und wurde laut der Umfrage zum meistgenutzten KI-Programmierwerkzeug bei der Arbeit. Zwischen Mai und Juli 2026 verwendeten ihn weltweit rund 39 % der professionellen Entwickler – gegenüber 18 % im Januar 2026. In den Vereinigten Staaten lag der Anteil bei 47 %, womit das Werkzeug von nahezu der Hälfte der teilnehmenden Entwickler aus diesem Land genutzt wurde.
Claude Code wird nicht nur gelegentlich eingesetzt: 31 % der Entwickler gaben an, dass es ihr meistgenutztes KI-Programmierwerkzeug sei. Laut JetBrains entspricht dies einer Umwandlungsrate von rund 80 % von regelmäßiger Nutzung hin zur Einstufung des Werkzeugs als Hauptwerkzeug innerhalb des KI-Werkzeugsatzes der Nutzer.
Schnelles Wachstum von Codex und Rückgang der Position von Copilot
Codex verzeichnete einen deutlichen Sprung: Seine Nutzung stieg von 3 % im Januar 2026 auf 16 % zwischen Mai und Juli – ein Wachstum um beinahe das Fünffache. Gleichzeitig erhöhte sich der Anteil der Entwickler, die von dem Werkzeug gehört hatten, im selben Zeitraum von 27 % auf 65 %.
GitHub Copilot verlor dagegen die Spitzenposition, die es lange gehalten hatte. Seine Nutzung sank von 29 % vor einem Jahr auf 21 % im Zeitraum von Mai bis Juli 2026. Dennoch gehört es mit einem Bekanntheitsgrad von 79 % weiterhin zu den im Bewusstsein der Entwickler am stärksten präsenten Werkzeugen. In Europa, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten steigt dieser Anteil auf eine Spanne zwischen 86 % und 90 %. Die Umfrage ergab außerdem, dass 39 % der GitHub-Copilot-Nutzer es neben anderen Umgebungen auch in den integrierten Entwicklungsumgebungen von JetBrains einsetzen.
Unterschiedliche Entwicklung bei Cursor und Open-Source-Werkzeugen
Der Bekanntheitsgrad von Cursor unter Entwicklern stieg von 69 % im Januar auf 75 % im Zeitraum von Mai bis Juli, seine Nutzung sank jedoch von 18 % auf 12 %. Der deutlichste Rückgang wurde in China verzeichnet, wo die Nutzung im selben Zeitraum von 28 % auf 16 % fiel.
OpenCode, ein quelloffener Programmieragent, erreichte eine Nutzungsrate von 7 % und einen weltweiten Bekanntheitsgrad von 42 %, obwohl er laut der Beschreibung im Bericht nicht mit dem Namen eines großen Unternehmens verbunden ist.
Die Nutzung von Google Antigravity blieb mit 6 % stabil, während der Bekanntheitsgrad deutlich von 29 % auf 47 % stieg. Indien bleibt in den Umfragedaten sein wichtigster Markt: Dort verwenden 15 % der Entwickler das Werkzeug, gegenüber 10 % im Januar. Damit liegt es in Indien bei der Nutzung beinahe gleichauf mit Cursor und auf dem dritten Platz der meistgenutzten Werkzeuge.
Was bedeutet das für den Arbeitsablauf von Entwicklern?
Die Daten zeigen, dass sich der Wettbewerb nicht nur um die Zahl der Nutzer dreht, sondern auch darum, ob ein Werkzeug innerhalb des Werkzeugbestands eines Entwicklers zur bevorzugten Hauptoption wird. Der wachsende Bekanntheitsgrad von Werkzeugen wie Codex und Google Antigravity bei gleichzeitig unterschiedlichen Nutzungsraten zeigt außerdem, dass Produktbekanntheit nicht automatisch zu regelmäßiger Nutzung führt.
Auch JetBrains arbeitet daran, seine Position innerhalb dieses Ökosystems auszubauen. Laut dem Beitrag verwenden weltweit rund 9 % der Entwickler JetBrains AI in integrierten Entwicklungsumgebungen und/oder Junie bei der Arbeit. Claude Agent, Codex, GitHub Copilot und OpenCode lassen sich außerdem direkt in den KI-Chat der JetBrains-Umgebungen integrieren. Über das Agent Client Protocol (ACP) können Dutzende weitere Agenten hinzugefügt werden, darunter Cursor. JetBrains ermöglicht zudem die Nutzung von Codex über einen OpenAI-API-Schlüssel oder ein ChatGPT-Abonnement.
Das Unternehmen testet derzeit Air, eine agentenbasierte Entwicklungsumgebung, die als Vorschau verfügbar ist und mehrere Agenten in einem einzigen Arbeitsablauf zusammenführen soll. Außerdem bietet JetBrains JetBrains Central als einheitliche Steuerungs- und Ausführungsebene für agentenbasierte Entwicklungsprozesse über verschiedene Werkzeuge und Umgebungen hinweg an.
Grenzen der Daten und Methodik der Umfrage
Der Bericht weist darauf hin, dass die Definition von „professionellen Entwicklern“ Teilnehmer umfasste, die in der Programmierung oder Entwicklung in Rollen wie Entwickler oder Softwareentwickler, KI- oder Machine-Learning-Ingenieur, DevOps- oder Infrastrukturingenieur, Architekt, Datenwissenschaftler oder Dateningenieur sowie Qualitätssicherungsingenieur tätig sind. Die Kategorie der Entwickler, Programmierer und Softwareingenieure machte rund 90 % der Stichprobe aus.
Die Umfrage wurde in acht Sprachen lokalisiert. Dabei wurden regionale Quoten festgelegt, um die weltweite Verteilung der Entwickler abzubilden. Anschließend wurden die Ergebnisse statistisch nach Region, Beschäftigungsstatus, Programmiersprache und dem Bekanntheitsgrad von JetBrains-Produkten gewichtet. Daher sollten die Vergleiche als Indikatoren für Nutzungstrends in der neu gewichteten Stichprobe gelesen werden, nicht als vollständige Erfassung aller Entwickler oder als endgültige Bewertung der Qualität der Werkzeuge.