Cleveland-Cliffs und das US-Energieministerium haben am 21. August 2026 einen geänderten Plan für das Stahlwerk Middletown Works im Bundesstaat Ohio bekannt gegeben. Darin wird das Projekt aufgegeben, das den Übergang von einem kohlebefeuerten Hochofen zu saubereren Produktionstechnologien vorsah. Nach dem neuen Plan wird der bestehende Hochofen weiter genutzt, während das Unternehmen eine Genehmigung für die Installation eines „fortschrittlichen“ Kraft-Wärme-Kopplungswerks anstrebt, das mit Erdgas betrieben wird und Hochofengas zur Erzeugung von Dampf und Strom verbrennt.
Cleveland-Cliffs war im März 2024 ausgewählt worden, im Rahmen des Industrial Demonstrations Program des Energieministeriums eine Förderung von bis zu 500 Millionen US-Dollar zu erhalten. Das ursprüngliche Projekt umfasste den Bau einer Anlage zur Herstellung von direkt reduziertem Eisen mit einer Kapazität von 2,5 Millionen Tonnen pro Jahr und der Möglichkeit zur Nutzung von Wasserstoff sowie zweier Elektrolichtbogenöfen.
Was hat sich an dem Projekt geändert?
Das Unternehmen hatte das ursprüngliche Projekt als grundlegende Modernisierung des Werks Middletown Works vorgestellt und erklärt, es werde die Kohlenstoffemissionen um etwa eine Million Tonnen pro Jahr senken und Smog sowie Ruß vor Ort reduzieren. Außerdem erwartete das Unternehmen, dass das Projekt 2.500 gewerkschaftlich organisierte Arbeitsplätze sichern und 170 dauerhafte sowie 1.200 Arbeitsplätze während der Bauarbeiten schaffen würde. Hinzu kommen sollte eine Senkung der Produktionskosten pro Tonne Flüssigstahl um etwa 150 US-Dollar, was nach den damaligen Schätzungen des Unternehmens jährlichen Einsparungen von 450 Millionen US-Dollar entsprochen hätte.
Das überarbeitete Konzept schafft den Einsatz von Kohle dagegen nicht ab, sondern konzentriert sich auf eine Verbesserung der Anlageneffizienz durch eine Technologie, die Cleveland-Cliffs laut dem Artikel bereits in anderen Anlagen mit Hochöfen einsetzt, darunter Cleveland Works, Burns Harbor, Indiana Harbor und Dearborn Works.
Warum ist diese Änderung wichtig?
Middletown Works war eines der zentralen Projekte des Programms des Energieministeriums, das eingerichtet wurde, um „erstmalige oder sich in einem frühen Entwicklungsstadium befindliche“ industrielle Technologien zu unterstützen, die zu einer Verringerung der Emissionen in der US-Industrie beitragen könnten. Das Projekt wurde aus mehr als 400 konkurrierenden Anträgen ausgewählt, da es als erster US-amerikanischer Versuch galt, ein integriertes, auf Kohle basierendes Stahlwerk mit gewerkschaftlich organisierter Belegschaft auf eine sauberere Produktion auszurichten.
Praktisch bedeutet die Aufgabe des ursprünglichen Projekts, dass die Bundesmittel für einen Plan eingesetzt werden, der nicht den zuvor angekündigten Ersatz des kohlebefeuerten Hochofens vorsieht. Umweltorganisationen erklären, dies schmälere den erwarteten Klima- und Gesundheitsnutzen der Investition, während das Werk und die umliegende Gemeinde weiterhin den bestehenden Verschmutzungsquellen ausgesetzt blieben.
Kritik von Anwohnern und Umweltorganisationen
Donna Balinger, eine Bewohnerin von Middletown, die 800 Fuß vom Werk entfernt lebt, sagte, ihr Haus, ihr Eigentum und ihre Nachbarn seien täglich Lärm und giftigen Emissionen ausgesetzt. Die Verlängerung der Lebensdauer des kohlebefeuerten Hochofens werde die Gesundheit der Bewohner weiterhin schädigen. Auch Marilyn Wall, ehrenamtlich im Sierra-Club-Verband des Bundesstaats Ohio tätig, kritisierte den Verzicht auf das Versprechen, die Bundesmittel zur Verbesserung der Luftqualität bei gleichzeitiger Sicherung der Arbeitsplätze einzusetzen.
Elena Saxonhouse, leitende Anwältin beim Sierra Club, erklärte, der geänderte Plan lenke eine halbe Milliarde US-Dollar an Steuergeldern von dem vom Kongress festgelegten Zweck weg. Hilary Lewis, Leiterin des Stahlprogramms bei Industrious Labs, bezeichnete die Änderung als umfangreiche Anreize für das Unternehmen, Geld zu sparen, ohne die Verschmutzung spürbar zu senken.
Middletown Works zählt derzeit zu den zehn größten industriellen Verschmutzern in Ohio, gemessen an Kohlenmonoxid, Blei, Feinstaub, Stickoxiden und Schwefeldioxid. Nach einer von Industrious Labs durchgeführten Analyse mithilfe des COBRA-Modells der US-Umweltschutzbehörde EPA steht die derzeitige Verschmutzung durch das Werk jährlich mit geschätzten 37 bis 67 vorzeitigen Todesfällen, mehr als 21.000 Fällen von Asthmasymptomen und 44 Besuchen in Notaufnahmen in Zusammenhang, zusätzlich zu Tausenden versäumten Schul- und Arbeitstagen.