Google und die Khan Academy haben mit Beginn des Schuljahres 2026 eine neue Sammlung von KI-Tools in Khanmigo verfügbar gemacht, nachdem die Funktionen von der frühen Testphase in den Einsatz in tatsächlichen Klassenzimmern überführt wurden. Die Tools basieren auf Gemini-Modellen und konzentrieren sich darauf, Schülerinnen und Schüler beim Verständnis mathematischer und naturwissenschaftlicher Konzepte zu unterstützen sowie Lehrkräften die Erstellung von überprüfbaren und anpassbaren Übungsmaterialien zu ermöglichen.
Die Ankündigung ist eine Fortsetzung einer zu Beginn des Jahres gestarteten Zusammenarbeit und umfasste eine Förderung von Google.org sowie den direkten Zugang von Experten der Khan Academy zu Gemini-Modellen. Seit März arbeiteten sechs Ingenieure von Google im Rahmen eines sechsmonatigen Google.org-Stipendiums mit Produkt- und Entwicklungsteams der Khan Academy zusammen, um die neuen Funktionen in die Khanmigo-Plattform zu integrieren, die sich als Lernhilfe für Schülerinnen und Schüler sowie als Assistentin für Lehrkräfte präsentiert.
Diagramme reagieren auf die Schritte der Schülerinnen und Schüler
Statt sich auf Textantworten zu beschränken, kann Khanmigo nun interaktive visuelle Hilfsmittel erstellen, wenn das System feststellt, dass eine Zeichnung beim Lösen einer Aufgabe oder bei der Erläuterung eines Konzepts helfen könnte. Zu den Beispielen gehören Diagramme, geometrische Zeichnungen, parallele Koordinatenkurven und weitere visuelle Elemente.
Schülerinnen und Schüler können einige Elemente der Zeichnung direkt verändern, etwa einen geometrischen Scheitelpunkt oder eine gerade Strecke ziehen. Das System erkennt die Änderung und passt die Erklärung oder die Lektion entsprechend an. Die Khan Academy erklärt, dass die Arbeitsteams Indikatoren zur Bewertung der Qualität der Diagramme festgelegt und anschließend deren Bezug zur Aufgabe, ihren Nutzen und ihre Klarheit getestet haben. Außerdem wurde in Khanmigo ein Feedback-Tool ergänzt, um Rückmeldungen der Nutzer zu sammeln und die Erfahrung zu verbessern.
Die Organisation verwies auf erste Hinweise auf eine stärkere Beteiligung der Schülerinnen und Schüler sowie bessere Leistungen bei der Beantwortung von Fragen nach der Anzeige der Diagramme. In dem Beitrag wurden jedoch keine detaillierten Zahlen oder unabhängigen Vergleichsergebnisse veröffentlicht.
Die Lehrkraft prüft den Inhalt vor der Verteilung
Die zweite Funktion ist eine Neugestaltung des Tools Practice My Knowledge, das ursprünglich auf die Erstellung von Multiple-Choice-Fragen ausgerichtet war. Die neue Version ermöglicht es Lehrkräften, Gemini zur Planung, Formulierung und Überprüfung von Fragen zu verwenden. Zudem können sie eigene Materialien hochladen, auf die sich das System stützen soll.
Bevor die Aufgabe an die Schülerinnen und Schüler gesendet wird, kann die Lehrkraft die gesamte Sammlung prüfen, Fragen bearbeiten oder ablehnen. Nachdem die Schülerinnen und Schüler ihre Arbeit beendet haben, erhalten die Lehrkräfte detaillierte Leistungsberichte, die sie bei der Bewertung unterstützen. Nach dem angekündigten Design erstellt Gemini die Entwürfe, doch die Lehrkraft behält die endgültige Entscheidung darüber, was die Schülerinnen und Schüler sehen.
Warum ist diese Ankündigung wichtig?
Die praktische Veränderung beschränkt sich nicht darauf, ein KI-Modell zu einem Bildungstool hinzuzufügen. Vielmehr verbindet sie interaktive individuelle Unterstützung für die Schülerinnen und Schüler mit einem Arbeitsablauf, der eine menschliche Prüfung der Inhalte vor ihrer Verwendung vorschreibt. Dies könnte Schulen und Bildungsbezirken zugutekommen, die automatische Generierung nutzen möchten, ohne dem System die direkte Veröffentlichung von Fragen zu überlassen.
Dennoch bleiben die Grenzen der Ankündigung deutlich: Die Angaben zu Beteiligung und Lernerfolg sind vorläufig und enthalten weder unabhängige Forschungsergebnisse noch Einzelheiten zu Genauigkeitsstandards, Mechanismen zum Schutz von Schülerdaten oder dem geografischen Umfang der Verfügbarkeit. Eine menschliche Prüfung verringert zwar das Risiko, dass eine ungeeignete Frage weitergegeben wird, beseitigt jedoch nicht die Notwendigkeit, dass die Lehrkraft den Schwierigkeitsgrad, die inhaltliche Richtigkeit und die Eignung für den Lehrplan überprüft.
Die neuen Funktionen stehen laut Google und der Khan Academy Bildungsbezirken zur Verfügung, die Khanmigo verwenden. Weitere Einzelheiten zu Preisen oder Abonnementanforderungen wurden nicht genannt.