Das Startup Newlight hat in einer Seed-Finanzierungsrunde 9 Millionen US-Dollar eingesammelt und zugleich einen Langzeittest seines Systems abgeschlossen, das Wasserstoff in Dieselmotoren von Frachtschiffen einspritzt. Nach Angaben des Unternehmens senkte das System während einer 8.500 Seemeilen langen Reise von Singapur nach Ghana den Kraftstoffverbrauch um 24 % und die Kohlendioxidemissionen um 28 %.
Das Unternehmen, dessen Team hauptsächlich in der San Francisco Bay Area ansässig ist, entwickelte das System als Lösung, die auf bestehenden Schiffen installiert werden kann, ohne diese in ein Trockendock zu bringen. Laut Newlight kann die Installation in weniger als zwei Wochen abgeschlossen werden. Bei einigen Schiffen könnte das System jährliche Einsparungen von bis zu 500.000 US-Dollar ermöglichen.
Wie funktioniert das System?
Wasserstoff fügt dem Motor im herkömmlichen Sinne keine zusätzliche Leistung hinzu. Stattdessen nutzt Newlight ihn, um den Motor dabei zu unterstützen, die für dieselbe Leistung erforderliche Menge an Dieselkraftstoff zu reduzieren. Das System überwacht den Motor kontinuierlich und bestimmt anschließend die geeigneten Einspritzzeitpunkte mit einer Genauigkeit im Bereich von Tausendstelsekunden.
Die Überwachung umfasst die Abgastemperatur, den Verbrennungsdruck und den Druck der einströmenden Luft. Außerdem erhöht oder verringert das System den Wasserstofffluss entsprechend der Bewegung der Kolben in den Motorzylindern, um den Verbrennungsprozess während des Schiffsbetriebs zu regulieren.
Test auf einem kommerziellen Schiff
Newlight installierte seine Technologie auf einem 650 Fuß langen Massengutfrachter der Reederei Lomar Shipping. Das Unternehmen bezeichnet die einmonatige Reise als die erste kommerzielle Langstreckenfahrt seines Systems, da es unter realen Seebedingungen betrieben wurde, anstatt ausschließlich Labortests zu durchlaufen.
Die Ergebnisse zur Senkung von Kraftstoffverbrauch und Emissionen beruhen auf Daten, die Newlight selbst veröffentlicht hat. Die Quelle nannte keine Einzelheiten zur Messmethodik oder zu einer unabhängigen Vergleichsbasis. Daher stellen die Zahlen einen ersten Hinweis auf die Leistung des Systems dar und kein endgültiges Urteil über seine Leistungsfähigkeit bei verschiedenen Schiff- und Motortypen.
Finanzierung und erwartete Expansion
An der Finanzierungsrunde beteiligten sich der Investmentarm von Lomar Shipping namens lomarlabs, BIRD Energy – eine Partnerschaft zwischen dem US-Energieministerium und dem israelischen Energieministerium –, sowie die Deep-Tech-Fonds Undeterred Capital und CiRi Ventures und der Accelerator Fusion VC, der israelische Startups in den USA unterstützt.
Newlight zufolge hat das Unternehmen Vereinbarungen zur Installation des Systems auf 12 Schiffen verschiedener Unternehmen unterzeichnet und plant, den Einsatz im kommenden Jahr auf größere Flotten auszuweiten. Die Quelle nannte keine Einzelheiten zu den Verträgen oder zum Zeitplan für die einzelnen Installationen.
Warum ist diese Nachricht relevant?
Die Bedeutung dieser Entwicklung liegt darin, dass sie auf Schiffe mit Dieselmotoren durch eine nachrüstbare Modifikation abzielt, anstatt das gesamte Antriebssystem zu ersetzen. Dies könnte die Modernisierung für Flottenbetreiber erleichtern, sofern sich die Ergebnisse in größerem Umfang bestätigen. Zugleich bleiben die Skalierbarkeit, die Verfügbarkeit von komprimiertem Wasserstoff sowie die Betriebskosten und Sicherheit des Systems offene Fragen, die durch eine einzige Testfahrt nicht geklärt werden.
Andere Unternehmen arbeiten ebenfalls an Kraftstoffeinspritzverfahren zur Emissionssenkung, darunter Lösungen auf Basis von Ammoniak oder Methanol. Newlight ist der Ansicht, dass sein System weniger Änderungen an bestehenden Dieselmotoren erfordert, hat jedoch in dem Beitrag keinen unabhängigen zahlenmäßigen Vergleich mit diesen Alternativen vorgelegt. Die Unternehmensgründer erklärten, dass der derzeitige Fokus weiterhin auf der Schifffahrtsbranche liegen werde, obwohl sie künftig auch Chancen im Transportwesen, in Rechenzentren und bei Zügen sehen.