Amazon hat eine neue Generation von Seller Assistant, seinem auf künstlicher Intelligenz basierenden Assistenten für Verkäufer, angekündigt. Sie umfasst drei wesentliche Änderungen: ein dauerhaftes Gedächtnis, das den Geschäftskontext jedes Verkäufers verfolgt, rund um die Uhr laufende Workflows zur Ausführung routinemäßiger Aufgaben sowie ein Plugin, mit dem die Fähigkeiten des Assistenten aus anderen KI-Tools heraus genutzt werden können – zunächst aus Amazon Quick und testweise mit Anthropic’s Claude.
Amazon zufolge, erreichte Seller Assistant, das 2023 eingeführt wurde, weltweit mehr als 90 % seiner Verkaufspartner und ist in den jeweiligen Landessprachen verfügbar. Das Unternehmen gibt an, dass Hunderttausende Nutzer aktiv sind. Laut Amazon akzeptieren Verkäufer die Empfehlungen des Assistenten in mehr als 90 % der Fälle.
Ein Gedächtnis, das über die Nutzungssitzung hinausgeht
Seller Assistant speichert nun einen fortlaufenden Kontext, der Preismuster, Lagerzyklen und Wachstumsziele jedes Verkäufers umfasst. Dieses Gedächtnis wird zwischen Seller Central, Amazon Quick und Claude übertragen, sodass der Assistent beim Wechsel des Tools nicht bei null anfangen muss. Amazon zufolge werden die Empfehlungen mit wiederholter Interaktion individueller. Gleichzeitig wird die Grundlage jeder Empfehlung angezeigt, damit der Verkäufer sie bewerten oder anpassen kann.
Verkäufer können außerdem einen sichtbaren interaktiven Bereich nutzen, um Live-Daten zu analysieren, Preisstrategien zu vergleichen, Szenarien zu modellieren und die Kampagnenleistung per Konversation zu diagnostizieren.
Von der Reaktion auf Anfragen zur kontinuierlichen Überwachung
Die Funktion Seller Assistant workflows ermöglicht es Verkäufern, Automatisierungen in natürlicher Sprache zu beschreiben und klare Grenzen dafür festzulegen, was das System tun darf. Ein Workflow kann Lagerbestände, Änderungen bei den Preisen der Konkurrenz, Produktbewertungen und Warnungen zum Kontostatus überwachen und anschließend gemäß den genehmigten Einstellungen Empfehlungen senden oder Maßnahmen ausführen.
Zu den verfügbaren Vorlagen gehören die Überwachung des Kontostatus, die Zusammenfassung von Bestellungen, die Analyse von Preistrends und das Auffinden von Möglichkeiten zur Erweiterung des Produktsortiments. Es können auch individuelle Workflows erstellt werden. Der Verkäufer entscheidet, ob das System lediglich Empfehlungen anzeigt oder Maßnahmen in seinem Namen ausführt. Vor der Ausführung von Aktionen bleibt jedoch eine menschliche Genehmigung erforderlich. Jeder Schritt wird in einem vollständigen Prüfprotokoll erfasst.
Was ändert sich in der Praxis?
Das Update macht Seller Assistant aus einem Tool, bei dem Verkäufer bei Bedarf eine Analyse oder eine Aktion anfordern, zu einer Betriebsebene, die die Aktivitäten des Shops kontinuierlich überwacht. Dies kann den manuellen Aufwand bei wiederkehrenden Aufgaben verringern. Dadurch werden jedoch die Gestaltung der Kontrollen und die menschliche Überprüfung zu einem wesentlichen Faktor, insbesondere wenn ein Workflow Preise ändern oder Angebote automatisch aktualisieren darf.
Plugin für Quick und Claude
Das Amazon Selling Partner plugin verbindet Verkäuferdaten wie Beiträge zu Angeboten, aktuelle Leistungskennzahlen, Lagerbestände und Verkaufsanalysen mit dem vom Verkäufer gewählten KI-Tool. Statt die Daten nur zu lesen, kann das Tool mithilfe desselben Verfahrens wie innerhalb von Seller Assistant Aktionen im Amazon-Geschäft ausführen.
Das Plugin ist zunächst in Amazon Quick verfügbar, einem Business-Assistenten, der Dokumente und Tabellen erstellen, Recherchen durchführen und sich mit E-Mail, Kalender und Dateien verbinden kann. Verkäufer können Agenten für Preisgestaltung, Angebote oder Nachbestückung erstellen. Quick zeigt dabei die vorgeschlagene Aktion an und wartet vor ihrer Ausführung auf eine Genehmigung. Das Plugin ist außerdem testweise mit Claude verfügbar; weitere Plugins sind geplant.
Amazon betont, dass externe Integrationen klaren Zugriffsbeschränkungen, einer menschlichen Genehmigung für Aktionen und vollständigen Prüfprotokollen unterliegen. Die Daten der Verkäufer verbleiben laut Unternehmensangaben innerhalb der Infrastruktur von Amazon und werden gemäß der Beschreibung des Unternehmens nicht außerhalb dieser Infrastruktur weitergegeben.
Das Plugin ist derzeit testweise für Verkäufer in den US-amerikanischen Amazon-Shops verfügbar; eine internationale Ausweitung soll später erfolgen. Amazon zufolge erhält außerdem jeder weltweit tätige Hauptkontoinhaber ein kostenloses zwölfmonatiges Quick-Plus-Abonnement. Der Quelltext erläutert im verfügbaren Auszug jedoch nicht die Einzelheiten der Aktivierung oder den Zeitpunkt.