Weltraum und Raumfahrttechnologien

NASA eröffnet Wettbewerb zur Entwicklung kommerzieller Raumstationen als Ersatz für die Internationale Raumstation

Die NASA hat US-amerikanische Raumfahrtunternehmen umfassend aufgefordert, kommerzielle Raumstationen zu entwickeln, die ab 2030 Astronauten in einer niedrigen Erdumlaufbahn beherbergen können. Die Behörde wird in der ersten Phase zwei oder mehr Unternehmen auswählen, Unterstützung beim Transport leisten und voraussichtlich 325 Millionen US-Dollar für einen Besatzungsflug mit vier Personen im Jahr 2030 bereitstellen.

2026-10-09
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certi.news
NASA eröffnet Wettbewerb zur Entwicklung kommerzieller Raumstationen als Ersatz für die Internationale Raumstation

Die NASA hat eine neue Phase ihres Plans eingeleitet, nach dem Ende der Internationalen Raumstation eine kontinuierliche menschliche Präsenz in einer niedrigen Erdumlaufbahn aufrechtzuerhalten. Dazu veröffentlichte sie eine Aufforderung zur Abgabe von Angeboten aus der kommerziellen Raumfahrtbranche für die Entwicklung privater Stationen, die bereits Anfang 2030 den Betrieb aufnehmen könnten. Die Unternehmen müssen ihre Angebote bis zum 8. Dezember einreichen. Die Behörde plant, in dieser Phase zwei oder mehr Unternehmen auszuwählen und im April eine endgültige Entscheidung zu treffen.

Die 360 Seiten umfassende Ausschreibung enthält die seit Langem erwarteten Anforderungen an Unternehmen, die seit Jahren Konzepte für kommerzielle Orbitalstationen entwickeln. Nach Ansicht der NASA werden diese Anlagen Standorte für Forschung, Technologieentwicklung, die Ausbildung von Besatzungen und die Vorbereitung von Missionen zum Mond und zum Mars bieten sowie neue kommerzielle Möglichkeiten für US-amerikanische Unternehmen eröffnen.

Wettbewerb in mehreren Phasen

Der Wettbewerb dürfte Axiom Space, Voyager Space und Vast Space umfassen. Blue Origin hatte in einer früheren Runde Fördermittel erhalten, doch laut dem Ausgangsartikel ist weiterhin unklar, in welchem Umfang das Unternehmen an dem Programm festhält. SpaceX scheint derzeit nicht zur Teilnahme bereit zu sein. Die Gewinner der ersten Phase erhalten mindestens 100 Millionen US-Dollar.

In den späteren Phasen wird der Wert der Verträge auf Milliarden von US-Dollar anwachsen. Zusätzlich zur Finanzierung der Entwicklung und Zertifizierung der Stationen in der zweiten Phase beabsichtigt die NASA, in der dritten Phase mindestens vier Missionen zum Transport ihrer Astronauten zu den privaten Stationen zu kaufen.

Der Transport zu den Stationen ist ein entscheidender Teil des Plans

Die NASA hat eine der größten Hürden für die am Wettbewerb teilnehmenden Unternehmen gesenkt. Die Angebote müssen weder den Nachweis eines unterzeichneten Vertrags mit Boeing oder einem anderen Transportanbieter noch ein Absichtsschreiben vorlegen. Außerdem bietet die Behörde an, den Transport für die ersten vier Versorgungsmissionen bereitzustellen, die sie im Auftrag der privaten Stationen durchführen wird. Dies könnte bedeuten, dass sie die Unternehmen bei der Vereinbarung von Abkommen mit Boeing unterstützt.

Diese Flexibilität kommt zu einer Zeit, in der die USA nur über begrenzte Transportmöglichkeiten verfügen. SpaceX hat erklärt, die Crew Dragon so bald wie möglich außer Dienst stellen zu wollen, wahrscheinlich zusammen mit dem Ausmustern der Internationalen Raumstation im Jahr 2030 oder 2032. Das Unternehmen, das derzeit das einzige einsatzbereite US-amerikanische Raumfahrzeug für diese Art von Transport betreibt, hat den Betreibern privater Stationen zudem keine Sitze zum Kauf angeboten. Im Gegensatz dazu gewährte die NASA Boeing vor zwei Wochen weitere 359 Millionen US-Dollar zur Unterstützung der Bemühungen, das Starliner-Raumschiff für bemannte Flüge in eine niedrige Erdumlaufbahn zu zertifizieren.

Was ändert sich praktisch?

Die Ausschreibung legt erstmals einen klaren Schätzpreis für die Transportdienstleistungen fest, die dieses System benötigen wird: 325 Millionen US-Dollar für einen Flug mit vier Personen und 300 Millionen US-Dollar für einen Frachtflug im Jahr 2030. Mit der Ankündigung, die ersten Flüge bereitstellen zu wollen, verlagert die NASA einen großen Teil des kommerziellen Risikos weg von den Unternehmen, die gleichzeitig Orbitalstationen entwerfen, bauen, testen und betreiben müssen.

Voyager Space, Axiom Space und Vast Space begrüßten die Ankündigung, doch ihre ersten Stellungnahmen beschränkten sich auf die Bestätigung ihrer Bereitschaft zur Teilnahme am Wettbewerb. Voyager erklärte, die Starlab-Station stelle eine starke kommerzielle und technische Lösung dar. Vast wies darauf hin, dass sich das Unternehmen der abschließenden Integrationsphase der Haven-1-Station nähere und am Bau einer Station mit mehreren Modulen arbeite, die eine kontinuierliche menschliche Präsenz unterstützen könne.

Die Ausschreibung allein entscheidet nicht darüber, ob ein Unternehmen zum angestrebten Zeitpunkt eine bemannte Station betreiben kann. Der Erfolg des Plans wird außerdem weiterhin von der Zertifizierung und Verfügbarkeit der Transportfahrzeuge abhängen. Das Dokument macht jedoch deutlich, dass die NASA kommerzielle Stationen nicht lediglich als Finanzierungsalternative betrachtet, sondern als Teil einer betrieblichen Infrastruktur, die sie nach der Internationalen Raumstation nutzen möchte.

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