Ein von Dr. Sima Gül geleitetes Team entwickelte im türkischen Samsun Teknopark die Plattform „Digitale Großmutter“, um Eltern bei der Betreuung von Säuglingen und der Beobachtung ihrer Entwicklung zu unterstützen. Ziel ist es, Familien, die keine direkte Unterstützung durch ältere Familienangehörige erhalten, fachkundige Beratung zu bieten.
Über eine Anwendung für Mobiltelefone und Computer können Eltern ihre Fragen zum Kind schriftlich senden oder Bilder und Videos zu einem von ihnen festgestellten Problem anhängen. Das Team der „Digitalen Großmutter“ antwortet mit Informationen und Anleitungen; bei Bedarf ist auch ein Sprach- oder Videoanruf möglich.
Beratung zu Schlaf, Ernährung und Hautproblemen
Gül erklärte, dass die Plattform es ermöglicht, sich über Hautprobleme beim Säugling zu erkundigen, indem ein Bild gesendet wird. Eltern können außerdem Unterstützung bei Schlafmustern anfordern sowie Informationen über das Wechseln der Windeln und die Ernährung aufzeichnen, um eine Einschätzung und Empfehlungen zu erhalten. Der Dienst umfasst dem Team zufolge auch Hinweise zu Schlafpositionen.
An dem Projekt beteiligt sind außerdem Professorin Canan Şirin aus der Abteilung für Kinderheilkunde und Kinderkrankheiten der medizinischen Fakultät der Ondokuz-Mayıs-Universität mit ihrer klinischen Erfahrung sowie der außerordentliche Professor Mehmet Türkoğlu, Leiter der Abteilung für Softwarewissenschaften an der Universität Samsun, der an der Entwicklung der Softwaresysteme mitwirkt. Die Leitung des Samsun Teknopark unter der Führung ihres Generaldirektors Levent Tanrıverdi sowie die Leitung der Ondokuz-Mayıs-Universität unter Professorin Fatma Aydın unterstützten die Überführung des Projekts in öffentliche Einrichtungen und zu Familien.
Was zeichnet die Plattform praktisch aus?
Gül stellt die Plattform als etwas dar, das sich von Werkzeugen der künstlichen Intelligenz unterscheidet, die unmittelbar Antworten erzeugen. Sie erklärt, dass die Antworten von Fachleuten überprüft oder bereitgestellt werden. Als Beispiel nannte sie eine Körpertemperatur des Säuglings von 38 Grad; in diesem Fall soll der Dienst erläutern, ob ein Arztbesuch erforderlich ist und welche Schritte dafür angemessen sind.
Damit ähnelt die Plattform eher einem spezialisierten Kanal für Gesundheitsberatung, der eine digitale Benutzeroberfläche zur Erfassung von Informationen und Bildern nutzt, als einem eigenständigen Chatbot. Der Artikel erläutert jedoch nicht im Detail, wie die medizinische Prüfung erfolgt, und legt weder die Grenzen der klinischen Verantwortung noch den Schutz der Daten und eingesandten Bilder von Kindern fest. Dies sind wichtige Punkte, bevor der Dienst in großem Umfang eingesetzt wird.
Erste praktische Anwendung in Kavak
Das Projektteam unterzeichnete mit der Gemeinde Kavak ein Protokoll zur Umsetzung der ersten lokalen Anwendung. Gemäß der Vereinbarung erhalten Kinder im Alter von 0 bis 24 Monaten in der Region 24 Monate lang Betreuung, wobei die Plattform ihnen kostenlos zur Verfügung steht. Gül zufolge ist der Dienst von überall aus online verfügbar; der allgemeine Zugang unterliegt jedoch einer Abonnementgebühr. Zugleich wurde mit der Arbeit an Lösungen für Menschen begonnen, die nicht zahlen können.
Das Beispiel Kavak zeigt ein Modell der Zusammenarbeit zwischen Universität, Technologiesektor und öffentlichen Stellen, bei dem das im akademischen Umfeld entwickelte Wissen in einen lokalen, auf Familien ausgerichteten Dienst überführt wird. Die verfügbaren Informationen enthalten keine Angaben zur Zahl der Nutzer, zu den Ergebnissen der Betreuung oder zum Genauigkeitsniveau. Daher muss der praktische Wert der Plattform in größerem Maßstab weiterhin unabhängig bewertet werden.