Ein Tesla-Fahrzeug mit der neuesten verfügbaren Version des als FSD bekannten Full Self-Driving-Systems näherte sich an einem aktiven Bahnübergang einem fahrenden Zug und drohte mit ihm zu kollidieren, nachdem es trotz blinkender Warnsignale, des sichtbaren Zuges und seiner hörbaren Pfeifsignale nicht angehalten hatte. Der Fahrer trat im letzten Moment manuell auf die Bremse und verhinderte so, dass das Fahrzeug auf das Gleis des Zuges fuhr.
Der Vorfall ereignete sich diese Woche. Der auf die Automobilbranche spezialisierte Journalist Lei Xing veröffentlichte am Dienstag eine Aufzeichnung der Fahrerkamera auf der Plattform X. Die Aufnahme zeigt, wie sich das Fahrzeug mit einer Geschwindigkeit von 9 Meilen pro Stunde dem Bahnübergang nähert, während der Autopilot aktiviert ist. Obwohl die Lichtsignale aktiv waren und der Zug sichtbar und hörbar war, verringerte das Fahrzeug lediglich seine Geschwindigkeit und setzte dann den Versuch fort, den Übergang zu überqueren, als sich der Zug näherte.
Die neueste Version verhinderte das Verhalten nicht
Xing bestätigte, dass das Fahrzeug mit der FSD-Version v14.3.7 betrieben wurde, der neuesten Version des Systems, die Tesla zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Berichts anbot. Sie wurde an Fahrzeuge mit der AI4-Plattform verteilt. Dieser Punkt ist besonders relevant, weil Tesla die FSD-Version v14.3 Anfang des Jahres mit Versionshinweisen eingeführt hatte, die auf eine verbesserte Handhabung von „seltenen und ungewöhnlichen Objekten hinwiesen, die sich über, unter oder schräg in den Fahrweg des Fahrzeugs erstrecken“.
Den verfügbaren Fakten zufolge hinderte dieses Update das Fahrzeug nicht daran, auf einen Bahnübergang zuzusteuern, an dem eindeutige Signale zum Anhalten vorhanden waren, darunter Warnleuchten, der Zug und die Schranke des Übergangs. Die Aufzeichnung allein belegt nicht die genaue technische Ursache des Verhaltens, zeigt jedoch, dass das Vorhandensein der neuesten Softwareversion in diesem Fall keine Vermeidung der Gefahr gewährleistete.
Es ist nicht der erste Vorfall
Dem Bericht zufolge dokumentierte Electrek in diesem Jahr mindestens drei Fälle, in denen das FSD-System versuchte, einen Tesla auf einen Zug oder durch eine Bahnschranke zu steuern. Im März zeigte eine Aufzeichnung ein Fahrzeug, das in West Covina im Bundesstaat California abgesenkte Schranken überquerte, ohne vor der Kollision einen Bremsversuch zu unternehmen. Einen Monat später veröffentlichte ein Besitzer in Texas Aufnahmen eines Fahrzeugs, das eine Schranke durchbrach, bevor ein Zug eintraf. Er musste das Gaspedal betätigen, um das Fahrzeug aus dem Gleisbereich zu bringen, während der Schrankenarm gegen das Fenster des Fahrzeugs prallte.
Außerdem wurde ein Tesla in Pennsylvania im Jahr 2025 von einem Zug erfasst, nachdem er bei aktiviertem „Autopilot-Modus“ auf die Gleise abgebogen war. NBC News berichtete, mehr als 40 Meldungen über Fehlfunktionen von Tesla-Fahrzeugen an Bahnübergängen dokumentiert zu haben.
Die behördliche Untersuchung dauert an
Die National Highway Traffic Safety Administration NHTSA leitete im Oktober 2025 eine Untersuchung des FSD-Systems ein, nachdem 58 Meldungen über Unfälle eingegangen waren, bei denen rote Ampeln missachtet und Fahrzeuge in den Gegenverkehr gelenkt worden waren. Der Umfang der Untersuchung wurde später auf etwa 2,9 Millionen mit dem System ausgestattete Fahrzeuge ausgeweitet – ein Schritt, der einer möglichen offiziellen Aufforderung zu einem Rückruf der Fahrzeuge vorausgeht. Außerdem forderten die Senatoren Ed Markey und Richard Blumenthal die Behörde auf, gezielt die Fehlfunktionen an Bahnübergängen zu untersuchen, und bezeichneten sie als besorgniserregendes Sicherheitsrisiko.
Was ist praktisch relevant?
Der Vorfall verdeutlicht die Grenzen, die Bezeichnung „Full Self-Driving“ als Erklärung für die Fähigkeiten des Systems heranzuziehen. Teslas eigenes Handbuch schreibt vor, dass der Fahrer aufmerksam bleiben und jederzeit bereit sein muss, die Kontrolle zu übernehmen. Für Nutzer bedeutet das, dass die neueste Version die Verantwortung für Überwachung und Eingreifen nicht beseitigt – insbesondere in Szenarien, deren Folgen innerhalb weniger Sekunden katastrophal sein können. Die offene Frage für die Aufsichtsbehörden lautet, ob diese Fälle ein wiederholbares Muster darstellen, das eine Softwarebehebung oder eine umfassendere Sicherheitsmaßnahme erforderlich macht.