Am 3. September 2026 begann Tesla eine Interessenabfrage unter Flottenkäufern und fragte Unternehmen, ob sie Cybercab-Fahrzeuge kaufen und im zugehörigen Robotaxi-Netzwerk betreiben möchten. Dem vorgelegten Konzept zufolge kauft das Unternehmen die Fahrzeuge und stellt sie anschließend dem Netzwerk zur Verfügung, wo sie als selbstfahrende Taxis eingesetzt werden, wobei die Einnahmen mit Tesla geteilt werden.
Dieses Modell rückt jedoch ein Versprechen wieder in den Mittelpunkt, das Elon Musk bereits 2019 gemacht hatte, als er von der Möglichkeit sprach, die Fahrzeuge von Eigentümern in das „Tesla Network“ aufzunehmen und pro Fahrzeug bis zu 30.000 US-Dollar Bruttogewinn jährlich zu erzielen. Im selben Jahr beschrieb er Tesla-Fahrzeuge außerdem als „Wertsteigernde Vermögenswerte“, deren Wert mit der Verbesserung der Fähigkeiten des vollständig autonomen Fahrens (FSD) steigen könne.
Ein altes Versprechen, das nicht zu einem verfügbaren Dienst wurde
Der Artikel sagt, dass dieses Versprechen bislang nicht erfüllt wurde. Einige Eigentümer zahlten bis zu 15.000 US-Dollar für FSD, weil sie künftig Einnahmen aus Taxidiensten erwarteten, konnten ihre Fahrzeuge jedoch auch Jahre später nicht als Robotaxis einsetzen. Stattdessen betreibt Tesla den Dienst selbst, während private Käufer weiterhin auf das versprochene Betriebsmodell warten.
Der Artikel verweist auf den Fall von MisterGreen, einem niederländischen Leasingunternehmen, das mehr als 4.000 Tesla-Fahrzeuge kaufte, weil es davon ausging, dass diese ihren Wert behalten und künftig Einnahmen aus Robotaxidiensten erzielen könnten. Tesla senkte jedoch über einen Zeitraum von zwei Jahren die Preise für Neuwagen, und Gebrauchtwagen begannen, ihren Wert mit einer Rate zu verlieren, die angeblich beinahe dreimal so hoch war wie die des breiteren Gebrauchtwagenmarkts. Die Robotaxi-Einnahmen blieben aus, und MisterGreen meldete im Dezember 2025 Insolvenz an, wobei für die Anleihegläubiger Verluste in Höhe von 40 Millionen US-Dollar entstanden.
Was ändert sich in der Praxis?
Die von Electrek vertretene Lesart lautet, dass der Kauf eines Cybercab dem Käufer nicht unbedingt die Kontrolle über ein unabhängiges Geschäft verschafft, sondern ihn möglicherweise zum Finanzierer der grundlegenden Kosten macht. Dem Artikel zufolge kontrolliert Tesla das Fahrzeug, die Software, das Robotaxi-Netzwerk, das Vermittlungssystem, die Preisgestaltung und den Anteil an der Einnahmenteilung. Daher trägt der Käufer die Kapitalkosten und das Risiko eines Wertverlusts der Fahrzeuge, während Tesla die Einnahmen aus dem Fahrzeugverkauf, seinen Anteil an den Fahrten und die Softwaremargen behält.
Der Artikel weist außerdem auf ein mögliches Ungleichgewicht in der Wettbewerbsbeziehung hin: Die Plattformbetreiberin kann dieser Einschätzung zufolge Preise oder den Einnahmenanteil ändern, ihren eigenen Fahrzeugen innerhalb der App Vorrang geben oder den Betrieb der Fahrzeuge der Käufer geografisch beschränken. Das sind keine nebensächlichen betrieblichen Details, sondern sie bestimmen die Fähigkeit eines Flottenbesitzers, ein Geschäftsmodell mit vorhersehbaren Erträgen aufzubauen.
Warum ist diese Nachricht wichtig?
Die Bedeutung der Entwicklung liegt nicht in der Interessenbekundung als solcher, da die Quelle keinen Beleg für einen umfangreichen Verkaufsstart oder dafür liefert, dass das Cybercab tatsächlich Einnahmen erzielt. Wichtiger ist die Prüfung der wirtschaftlichen Annahme hinter dem Angebot: Wenn Robotaxi-Flotten hohe und stabile Einnahmen erzielen, warum muss Tesla dann die Fahrzeuge verkaufen und die Kosten für ihren Kauf und Wertverlust auf eine andere Partei abwälzen?
Dies ist eine analytische Frage und kein schlüssiger Beweis dafür, dass das Modell nicht tragfähig ist. Das Unternehmen könnte die Fahrzeuge aus Finanzierungs- oder betrieblichen Gründen verkaufen oder das Netzwerk dadurch schnell erweitern wollen. Die Quelle nennt jedoch keine Zahlen zum Preis des Cybercab, zu den Wartungskosten, zu Teslas Einnahmenanteil, zur Auslastung oder zu den Bedingungen für den Beitritt zum Netzwerk. Ohne diese Daten lässt sich die tatsächliche Rendite der Flotte nicht bewerten.
Redaktionelles Fazit
Electrek ist der Ansicht, dass das Cybercab-Angebot einer Übertragung der Risiken auf den Flottenkäufer ähnelt, während Tesla die grundlegende wirtschaftliche Kontrolle behält, und bringt es mit früheren Versprechen zu FSD-Einnahmen und dem „Tesla Network“ in Verbindung. Für Unternehmen, die das Angebot prüfen, besteht die wichtigste praktische Information darin, es als risikoreiche Investition und nicht als garantierte Einnahmequelle zu behandeln, bis Tesla die Betriebsbedingungen, Finanzzahlen und Rechte der Flottenbesitzer klar veröffentlicht.
Der Autor erwähnt außerdem ein weiteres Unternehmen, das zwischen 2018 und 2020 in Los Angeles eine Tesla-Flotte aufbaute, in Erwartung von Einnahmen durch das „Tesla Network“, später jedoch zur Schließung gezwungen war, ohne seinen Namen oder weitere finanzielle Einzelheiten zu nennen. Daher muss dieser Hinweis unabhängig überprüft werden, bevor er als zusätzlicher Beleg verwendet wird.