Garrett Langley, Mitgründer und CEO von Flock, verteidigte das Produkt Gunshot Detection mit der Aussage, die Mikrofone des Unternehmens erfassten «nur Schüsse». Die Website von Flock und eine spätere Stellungnahme eines Unternehmenssprechers beschreiben die Fähigkeiten des Systems jedoch deutlich umfassender. Das wirft unmittelbare Fragen dazu auf, welche Arten von Geräuschen die Plattform erfasst und wie sie genutzt werden.
Flock zufolge können die Audiosysteme des Unternehmens die Quelle einer Schussabgabe sofort bestimmen. Außerdem können sie Autorennen, schwere Autounfälle, Feuerwerk und andere «störende Ereignisse in der Gemeinde» erkennen. Im FAQ-Bereich heißt es, die Erkennungsbibliothek des Unternehmens werde kontinuierlich erweitert, um neu entstehende Bedrohungen zu erfassen, die den Bedürfnissen der Kunden entsprechen.
Von Schüssen zu «störenden Ereignissen»
Während seines Auftritts bei der Veranstaltung TechCrunch Disrupt sagte Langley, das Produkt sei entwickelt worden, weil viele Menschen den Notruf nicht wählten, wenn sie Schüsse hörten. Er fügte hinzu, einige Kunden hätten Benachrichtigungen erhalten wollen, wenn eine Entführung stattfinde oder jemand auf Parkplätzen zu Schaden komme. Das Unternehmen habe diese Möglichkeit mit einer begrenzten Zahl von Kunden getestet, bevor es davon wieder Abstand genommen habe.
Flock hatte die Funktion Gunshot Detection im vergangenen Jahr angekündigt und zunächst darauf hingewiesen, dass sie «Schreie» erkennen könne. Nach Kritik von Datenschutzgruppen änderte das Unternehmen die Formulierung in «menschliche Notsignale». Später erklärte es, die Fähigkeit zur Erkennung von «Notsignalen» aus den Konten der Kunden entfernt zu haben, die sie getestet hatten.
Als Langley nach dem Widerspruch zwischen seinen Aussagen und den Flock-Materialien gefragt wurde, in denen andere Geräusche genannt werden, antwortete er, das System sei «nur für Schüsse» gedacht. Der Sprecher Paris Lewbel erklärte gegenüber TechCrunch jedoch, die Technologie werde hauptsächlich zur Erkennung von Schüssen eingesetzt, könne aber auch Feuerwerk, Autorennen und mögliche Autounfälle erkennen. Er bestätigte, dass Audio Detection weder Gespräche überwachen noch Sprache analysieren solle und derzeit weder Schreie noch menschliche Notsignale erkenne.
Warum ist dieser Widerspruch wichtig?
Bei der Frage geht es nicht nur um die Genauigkeit eines Audioerkennungsmodells, sondern auch um die Grenzen der Überwachung, die lokale Gemeinschaften akzeptieren könnten. Der Unterschied zwischen der Erfassung eines bestimmten Schusses und der Erfassung einer größeren Gruppe von Geräuschen verändert die Vorstellungen der Bevölkerung und der Kunden vom Umfang des Systems und macht die Formulierung von Nutzungs- und Kontrollrichtlinien noch wichtiger.
Langley sagte, die Zahl der Flock-Mikrofone sei ungefähr so hoch wie die Zahl der Mikrofone von ShotSpotter, das laut einem Bericht von Wired bis 2024 etwa 25.000 Mikrofone hatte. Die Aussagen erfolgen inmitten einer zunehmenden Prüfung durch Datenschutzgruppen, darunter die ACLU, sowie durch Personen, die einen Missbrauch von Überwachungstechnologien befürchten. Außerdem versuchen Texas und Florida, ihre Beziehungen zu Flock zu beenden, während Amazon Ring seine Partnerschaft mit dem Unternehmen beendet hat.
Die verfügbaren Fakten belegen, dass zwischen der öffentlichen Beschreibung des Produkts und den Aussagen des CEOs ein Unterschied besteht. Sie klären jedoch nicht allein, wie jedes System bei den einzelnen Kunden betrieben wird oder wie groß die Menge der gespeicherten Daten ist. Daher bleiben Fragen zur Transparenz, zum Umfang der Benachrichtigungen und zu den lokalen Schutzvorkehrungen für die Nutzung von Audioaufzeichnungen für Kunden und Öffentlichkeit offen.