Amjad Masad, CEO und Mitgründer der Plattform Replit, erklärte während seiner Teilnahme auf der Bühne der Veranstaltung TechCrunch Disrupt am Donnerstag, dass das Unternehmen nicht mehr mit Anthropic zusammenarbeite. Mit der Partnerschaft vertraute Quellen schilderten jedoch eine andere Version der Ereignisse, während auf der Replit-Website, in ihrem Blog und auf ihren Social-Media-Konten veröffentlichte Materialien darauf hindeuten, dass Anthropic-Modelle noch bis wenige Wochen vor dieser Aussage genutzt wurden.
Eine mit Kosten und Leistung verbundene Entscheidung
Masad erläuterte, dass die Entscheidung aus mehreren Gründen getroffen worden sei, darunter Kosten, Leistung und die Art der Partnerschaft. Er sagte, Replit verwende einen internen Maßstab zur Bewertung von Leistungsindikatoren und veröffentliche zudem einen allgemeinen Maßstab. Nach der Bewertung des Unternehmens seien die Modelle Sol und Astra beim Erstellen von Anwendungen, die auf Programmierung durch Beschreibung von Grund auf basieren, durchgehend besser gewesen. Er fügte hinzu, dass ChatGPT derzeit besser geworden sei und diese Faktoren Replit dazu veranlasst hätten, OpenAI vorerst als den besseren Partner zu betrachten.
Replit hatte im August eine Partnerschaft mit OpenAI bekannt gegeben, doch die Ankündigung enthielt keinen Hinweis auf ein Ende der Zusammenarbeit mit Anthropic. Die Cloud-Plattform von Replit nutzte Claude-Modelle für den Betrieb ihrer Dienste, und es hieß, die Partnerschaft habe dem Unternehmen geholfen, seine Einnahmen deutlich zu steigern.
Widersprüchliche Belege zum Status der Partnerschaft
Eine mit der Partnerschaft zwischen Anthropic und Replit vertraute Person, die anonym bleiben wollte, wies Masads Aussage zurück, die Zusammenarbeit sei beendet, und sagte, die Partnerschaft bestehe weiterhin. Ein von Replit Ende September veröffentlichter Blogbeitrag verwies außerdem auf die Modelle Claude Fable 5 und Claude Fable 5.1 als Modelle, die in der Produktionsumgebung von Replit Agent liefen. Im selben Zeitraum schrieb ein Produktmitarbeiter von Replit auf der Plattform X über die Nutzung des Modells Opus 5.5 und warb für dessen Fähigkeiten.
TechCrunch bat Replit um eine zusätzliche Klarstellung und erklärte, die Geschichte zu aktualisieren, falls eine Antwort eingehe. Daher belegt die Quelle nicht, dass der Wechsel von Replit von Anthropic zu OpenAI vollständig abgeschlossen ist, sondern lediglich, dass widersprüchliche Aussagen und zeitliche Belege für eine fortgesetzte Nutzung von Anthropic-Modellen vorliegen.
Was bedeutet das für Plattformen zur Programmierung mit künstlicher Intelligenz?
Der Vorfall zeigt, dass die Wahl eines KI-Modells innerhalb von Entwicklungsplattformen nicht allein von der technischen Leistungsfähigkeit abhängt. Auch Kosten, Partnerschaftsbedingungen und die Ergebnisse interner Tests sind einflussreiche Faktoren. Das fortgesetzte Auftreten mehrerer Modelle in einer einzigen Produktionsumgebung kann außerdem bedeuten, dass der Wechsel zwischen Anbietern schrittweise erfolgt oder dass die Plattform mehr als einen Anbieter nutzt. Die Quelle liefert jedoch nicht genügend Details, um dies abschließend zu klären.
Masad sprach auch über das Wachstum des Geschäfts von Replit. Er erklärte, Verträge mit Unternehmen hätten im Vorjahr etwa 2 % der Einnahmen ausgemacht, während ihr Anteil in diesem Jahr etwa 15 % betrage und mehr als 50 % der Einnahmen aus dem Geschäftssektor stammten. Angaben zu den jährlich wiederkehrenden Einnahmen legte er nicht offen.
Masad betonte, dass die sichere Bereitstellung von KI-Agenten das erfordere, was er als integrierte Betriebsumgebung bezeichnete. Dazu gehörten Orchestrierung, Fehlerwiederherstellung, Schutz und Sicherheit, Isolation innerhalb von Sandbox-Umgebungen, Netzwerke sowie Identitäts- und Berechtigungsverwaltung. Dieser Punkt steht unabhängig vom Status der Partnerschaft, verdeutlicht jedoch die betrieblichen Anforderungen, die Replit für den Einsatz von Agenten in der Softwareentwicklung als notwendig erachtet.