Das finnische Unternehmen Donut Lab hat neue Einzelheiten zum Batteriepaket des Elektromotorrads Verge TS Pro Gen2 veröffentlicht. Demnach setzt es auf eine vollständig luftgekühlte Konstruktion mit Wärmeleitplatten und kleinen Lüftern, die Computerlüftern ähneln. Das Unternehmen erklärt, das Motorrad sei das erste Elektromotorrad mit Festkörperbatterie, und bezeichnet es außerdem als das am schnellsten ladende seiner Klasse.
Die Einzelheiten wurden in einem von Donut Lab auf seinem YouTube-Kanal veröffentlichten Video präsentiert. Darin erläuterte Ville Piippo, Mitgründer und Chief Technology Officer des Unternehmens, den Aufbau der Zellen im Batteriepaket. Die Präsentation enthielt jedoch keinen Nachweis für die verwendete Zellchemie. Unterdessen werden die Angaben des Unternehmens zur Batterie von Fachleuten der Branche weiterhin angezweifelt.
Spezifikationen des Pakets und Anordnung der Zellen
Die Version Standard Range des Motorrads verwendet 192 Zellen von Donut Lab mit jeweils 94 Wattstunden. Daraus ergibt sich eine nominale Kapazität von etwa 18 Kilowattstunden und eine maximale Kapazität von rund 20 Kilowattstunden. Außerdem ist eine Version Long Range mit einer nominalen Kapazität von etwa 30 Kilowattstunden erhältlich, wobei das Batteriegehäuse nach den Angaben des Unternehmens dieselbe Größe behält.
Das Paket der 18-Kilowattstunden-Version besteht aus vier übereinandergestapelten Modulen mit einer leichten Versetzung. Donut Lab zufolge verwendet jedes Modul eine Anordnung des Typs 2P 96S, also zwei parallel geschaltete und 96 in Reihe geschaltete Zellen, bei einer maximalen Systemspannung von etwa 400 Volt. Zwischen den Zellschichten befinden sich Wärmeleitplatten, die die Wärme zum äußeren Teil des Pakets ableiten.
Luftkühlung und schnelles Laden
Das Paket verfügt auf jeder Seite über einen Kühlkörper und einen kleinen Lüfter. Dadurch handelt es sich laut Piippo um eine kompakte, vollständig luftgekühlte Konstruktion. Das Unternehmen erklärt, diese Lösung stehe mit dem begrenzten verfügbaren Platz im Motorrad in Zusammenhang, da die kompakte Bauweise den Einsatz eines Flüssigkeitskühlsystems nicht zulasse.
Bei Verwendung eines schnellen Gleichstromladers beträgt die maximale Ladeleistung etwa 100 Kilowatt. Für den Ladestandanstieg von 10 % auf 80 % benötigt das Motorrad etwa 11 Minuten. Das Laden von 10 % auf 90 % dauert etwas weniger als 15 Minuten. Diese Leistung entspricht etwa der Hälfte des Werts von 200 Kilowatt, den Donut Lab zuvor beworben hatte. Gleichzeitig erklärt das Unternehmen, dass die Zelle in Fahrzeugen mit flüssigkeitsgekühlten Paketen eine Ladung von 0 auf 80 % innerhalb von fünf Minuten ermöglichen könne.
Bei einer maximalen Eingangsleistung von 103 Kilowatt steigt die Laderate auf etwas mehr als 5C, basierend auf der maximalen Kapazität von 20 Kilowattstunden. Die C-Rate bezeichnet die Geschwindigkeit, mit der eine Batterie im Verhältnis zu ihrer maximalen Kapazität geladen oder entladen wird. Eine Rate von 1C entspricht in diesem Fall 20 Kilowatt. Dem Artikel zufolge liegt die Laderate der meisten modernen Elektroautobatterien unter 4C.
Nicht unabhängig bestätigte Behauptungen
Donut Lab hatte seinen Zellen bereits eine Energiedichte von 400 Wattstunden pro Kilogramm, den Verzicht auf seltene Erden und eine Lebensdauer von bis zu 100.000 Ladezyklen zugeschrieben. Das Unternehmen hat diese Behauptungen bislang jedoch weder durch Patente noch durch einschlägige Verifizierungsergebnisse oder eine chemische Analyse gestützt, die belegt, dass die Zellen tatsächlich Festkörperzellen sind. Auch unabhängige Tests des Motorrads liegen nicht vor.
Das Unternehmen erklärt, das Motorrad erreiche pro Lademinute etwa 12 Meilen zusätzliche Reichweite, basierend auf einer geschätzten Gesamtreichweite von 217 Meilen. Die Produktion der überarbeiteten Version hat dem Artikel zufolge im vergangenen Monat begonnen. Die Leistung der Verge TS Pro Gen2 unter realen Nutzungsbedingungen muss jedoch weiterhin unabhängig getestet werden.