Apple hat dem Gericht neue Einzelheiten vorgelegt, die nach Angaben des Unternehmens die Nutzung vertraulicher technischer Informationen innerhalb von OpenAI belegen. Dies geschieht im Rahmen einer Klage, in der Apple ehemaligen Mitarbeitern vorwirft, Geschäftsgeheimnisse zugunsten des KI-Unternehmens weitergegeben zu haben. Im Mittelpunkt der jüngsten Entwicklungen steht ein Laptop, den der ehemalige Mitarbeiter Chang Liu, der inzwischen bei OpenAI arbeitet, verwendet hatte und den seine Anwälte Anfang August 2026 zur Untersuchung übergaben.
Nach Apples Schriftsatz verwendete Liu bei seiner Arbeit für OpenAI einen vertraulichen Schaltplan aus den Systemen von Apple sowie ein Tool mit einem Namen, der einer internen technischen Anwendung des Unternehmens ähnelte. Apple erklärt, OpenAI sei „vollständig darüber informiert“ gewesen, dass Liu Zugang zu den Daten des Unternehmens hatte, und er habe seinen Kollegen Yu-Ting Peng im Juni um Hilfe gebeten, um Beweise zu vernichten, nachdem er erfahren hatte, dass Apple eine Untersuchung gegen ihn eingeleitet hatte.
Die neuen Beweise sind in der öffentlichen Fassung des Gerichtsakts teilweise geschwärzt. Frühere Schriftsätze enthielten jedoch Textnachrichten, die Liu zugeschrieben werden und nach Darstellung von Apple darauf hindeuten, dass ihm bewusst war, weiterhin auf Unternehmensdateien zugreifen zu können. Apple erklärt, dieser Zugang sei nicht lediglich auf nach seinem Ausscheiden verbliebene Berechtigungen zurückzuführen gewesen, sondern auf die Ausnutzung einer seltenen Authentifizierungsschwachstelle, die zuvor nicht bekannt gewesen sei.
Zwei widersprüchliche Darstellungen des Zugangs nach dem Ausscheiden des Mitarbeiters
OpenAI argumentiert, Liu habe nach Beendigung seiner Tätigkeit bei Apple auf deren Dateien zugegriffen, um ehemaligen Kollegen zu helfen, die ihn um Unterstützung gebeten hätten. In einem früheren Blogbeitrag erklärte das Unternehmen außerdem, Apple versuche, „verbliebenen Zugang“ dafür verantwortlich zu machen, obwohl das Problem nach Darstellung des Unternehmens weit verbreitet sei und daraus resultiere, dass Systemberechtigungen beim Ausscheiden von Mitarbeitern nicht angemessen verwaltet würden.
Apple ist dagegen der Ansicht, dass die Übergabe des Computers erst nach wochenlanger Verzögerung erfolgt sei und dessen Inhalt belege, dass das Unternehmen keine unbegründete Untersuchung ins Blaue hinein durchführe, sondern die Nutzung seiner Geschäftsgeheimnisse und die mögliche Vernichtung von Beweisen untersuche. Diese Vorwürfe stellen kein abschließendes Urteil dar. Zudem hat OpenAI laut dem Ausgangstext bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Stellungnahme zu den jüngsten Anschuldigungen abgegeben.
Was ändert sich praktisch?
Apple beantragt beim Gericht den Erlass einer vorläufigen Verfügung, die OpenAI während der Dauer des Verfahrens die Arbeit an Hardware untersagt, die auf Technologien von Apple beruht. Außerdem beantragt das Unternehmen eine Beschleunigung der Beweisaufnahme, da es glaubt, dass möglicherweise weitere ehemalige Mitarbeiter in den Fall verwickelt sind. In seinem ursprünglichen Schriftsatz erklärte das Unternehmen, dass derzeit mehr als 400 ehemalige Apple-Mitarbeiter bei OpenAI arbeiten.
Die Bedeutung des Falls für den Technologiesektor ergibt sich aus dem Zusammentreffen zweier sensibler Faktoren: dem Wechsel von Mitarbeitern zwischen konkurrierenden Unternehmen und dem Fortbestehen digitaler Berechtigungen nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Der Ausgangstext belegt jedoch bislang nicht, dass OpenAI ein Geschäftsgeheimnis rechtswidrig genutzt hat, und klärt auch nicht, ob der Zugriff auf Apple-Dateien auf eine Sicherheitslücke oder auf einen Fehler bei der Kontoverwaltung zurückzuführen ist. Der nächste Schritt wird davon abhängen, was die gerichtlichen Verfahren und die nicht geschwärzten Beweise zutage fördern, sowie von der Entscheidung des Gerichts über Apples Antrag, die Hardwarearbeiten vorübergehend einzustellen.