Der zu Flipkart gehörende und im Besitz von Walmart befindliche Dienst Flipkart Minutes nähert sich den führenden Quick-Commerce-Plattformen Indiens, nachdem er laut von TechCrunch zitierten, mit den Vorgängen vertrauten Personen inzwischen etwa 1,1 bis 1,2 Millionen Bestellungen täglich abwickelt. Das entspricht einem deutlichen Anstieg gegenüber den im November verzeichneten 390.000 bis 400.000 Bestellungen pro Tag – rund zwei Jahre nach dem Start des Dienstes im August 2024.
Mit diesem Volumen nähert sich Minutes Swiggy Instamart an, das laut einer mit seinen Abläufen vertrauten Quelle etwa 1,4 Millionen Bestellungen täglich abwickelt. Blinkit liegt jedoch weiterhin mit deutlichem Abstand an der Spitze: Das Unternehmen verzeichnet etwa 3,4 bis 3,6 Millionen Bestellungen pro Tag, gefolgt von Zepto mit rund 2,4 bis 2,6 Millionen Bestellungen, so aktuelle Schätzungen von Datum Intelligence.
Schneller Ausbau der operativen Infrastruktur
Das Wachstum von Flipkart beruhte in hohem Maße auf dem Ausbau des Netzwerks von Micro-Fulfillment-Zentren – kleinen, kundennahen Lagerhäusern, die für die Bearbeitung schneller Bestellungen vorgesehen sind. Minutes betreibt derzeit etwa 1.020 bis 1.050 Zentren, gegenüber 600 im Januar und rund 340 vor einem Jahr. Nach Angaben einer Quelle fügt das Unternehmen monatlich etwa 100 Zentren hinzu und strebt bis Ende 2026 insgesamt 1.500 Zentren an.
Die Verbesserung beschränkte sich nicht auf die Zahl der Zentren. Die durchschnittliche Lieferzeit sank auf etwa 11 Minuten, verglichen mit 13 Minuten vor einem Jahr. Der Anteil der Kunden, die monatlich erneut einkaufen, liegt zwischen 65 % und 70 %, während die Zahl der Transaktionen pro Kunde im Jahresvergleich um 50 % bis 60 % gestiegen ist. Ein Kunde gibt pro Bestellung durchschnittlich etwa 400 bis 500 indische Rupien aus, was ungefähr 4,20 bis 5,20 US-Dollar entspricht.
Zu den am schnellsten wachsenden Kategorien gehören Obst und Gemüse, Grundnahrungsmittel, Milchprodukte und Fleisch. Flipkart erweitert außerdem das Sortiment an Premiumprodukten wie Bio- und handwerklich hergestellten Waren, um den Anteil von Minutes an den Ausgaben der Kunden zu erhöhen, statt sich auf kleine und dringende Bestellungen zu beschränken.
Warum ist diese Nachricht wichtig?
Die Bedeutung dieser Entwicklung liegt darin, dass Flipkart nicht von Grund auf in einen neuen Markt eintritt: Das Unternehmen kann seine bestehende E-Commerce-Kundenbasis zum Sofortlieferdienst lenken. Laut Satish Meena, Berater bei Datum Intelligence, machen die große Nutzerbasis von Flipkart und ein Netzwerk von mehr als tausend Zentren Minutes zu einem ernstzunehmenden Wettbewerber, selbst wenn der Dienst beim Bestellvolumen noch hinter Blinkit und Zepto liegt.
Die Zahlen bedeuten außerdem, dass Quick-Commerce zu einem festeren Bestandteil des Online-Einkaufsverhaltens in Indien geworden ist, selbst wenn Anzeichen für eine breitere Abschwächung der Verbrauchernachfrage sichtbar werden. Swiggy zufolge hat Instamart mehr als 14 Millionen monatlich aktive Nutzer und ist über mehr als 1.200 Dark Stores in mehr als 130 Städten tätig. Außerdem erzielt inzwischen mehr als 45 % seines Netzwerks eine positive Beitragsmarge.
Defensiver und offensiver Wettbewerb
Der Wettbewerb beschränkt sich nicht auf spezialisierte Unternehmen. Amazon hat seinen Dienst Amazon Now in Indien ausgeweitet und erklärte während des Indienbesuchs von CEO Andy Jassy im Juni, dass sich die Bestellungen seit dem Start des Dienstes in jedem Quartal verdoppelt hätten. Das Unternehmen plant, mehr als 300 Städte zu erreichen und ein Netzwerk von über tausend Micro-Fulfillment-Zentren aufzubauen.
Diese Pläne zeigen, dass Flipkart und Amazon ihre Kundenbasis ebenso verteidigen wie nach neuem Wachstum suchen. Je mehr sich Nutzer daran gewöhnen, bestimmte Einkäufe innerhalb von Minuten zu erhalten, desto weniger attraktiv wird die Rückkehr zur planbaren Lieferung in Kategorien wie Lebensmitteln. Die vollständigen Rentabilitätsdaten von Minutes werden in dem Artikel jedoch nicht offengelegt. Zudem beruhen die Bestellzahlen auf anonymen Quellen und Marktschätzungen, weshalb bei einem direkten Vergleich zwischen den Unternehmen Vorsicht geboten ist.