Bentley hat in London den Torcal vorgestellt, das erste vollelektrische Fahrzeug der Marke. Damit erweitert das Unternehmen seine Modellpalette neben Continental GT, Flying Spur und Bentayga um eine vierte Baureihe. Das fünf Meter lange SUV wurde in den Einrichtungen des Unternehmens im englischen Crewe entworfen, entwickelt und gebaut.
Zwei Varianten und hohe Leistung
Bentley bietet das Fahrzeug in den Varianten Torcal und Torcal S an. Die Basisversion leistet 821 PS und entwickelt ein Drehmoment von 1.194 Newtonmetern. Sie beschleunigt in 3,3 Sekunden von null auf 60 Meilen pro Stunde und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 155 Meilen pro Stunde. Der Torcal S kommt bei aktiviertem Launch Control auf 888 PS und 1.350 Newtonmeter, beschleunigt in 2,8 Sekunden und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 162 Meilen pro Stunde.
Bentley erklärt, die Beschleunigung bewusst begrenzt zu haben, weil die meisten Kunden die extremeren Leistungsstufen als unangenehm empfinden. Dies unterscheidet sich von den Zahlen, die der frühere CEO Adrian Hallmark 2022 genannt hatte, als er von einer Leistung von 1.400 PS und einer Beschleunigung von null auf 60 Meilen pro Stunde in 1,5 Sekunden sprach.
800-Volt-Batterie und schnelles Laden
Beide Varianten nutzen zwei permanenterregte Synchronmotoren, jeweils einen pro Achse, sowie ein sperrbares Hinterachsdifferenzial. Die aus 192 Lithium-Ionen-Pouch-Zellen bestehende Batterie verfügt über eine elektrische 800-Volt-Architektur und eine Nettokapazität von 113 Kilowattstunden. Bentley gewährt auf die Batterie eine Garantie von 10 Jahren oder 100.000 Meilen.
Die angegebene Reichweite beträgt nach dem WLTP-Zyklus 375 Meilen beziehungsweise 600 Kilometer, während Zahlen aus dem EPA-Test bislang nicht veröffentlicht wurden. Bentley nennt eine maximale Ladeleistung von 400 Kilowatt, eine Ladung von 10 auf 80 Prozent in 16 Minuten sowie eine Reichweitensteigerung um etwa 100 Meilen innerhalb von sieben Minuten. Im Text der Unternehmensmitteilung wird an anderer Stelle jedoch angegeben, dass der Vorgang etwas weniger als 20 Minuten dauert. Damit bleibt ein Detail offen, das vor einer abschließenden Bewertung der tatsächlichen Leistung geklärt werden muss.
Was zeichnet das Fahrerlebnis im Fahrzeug aus?
Der Torcal verfügt erstmals in einem Bentley über ein vollständig aktives Fahrwerk, bei dem jede Ecke unabhängig angehoben oder abgesenkt werden kann. Auch eine Allradlenkung gehört zur Serienausstattung. Der Innenraum umfasst gebogene OLED-Bildschirme, ein Head-up-Display mit Augmented-Reality-Technologie, Gesichtserkennung zum Laden von Fahrerprofilen sowie vier Erlebnis-Modi, die Beleuchtung, Klang, Klima und Bildschirme anpassen.
Das Fahrzeug behält physische Bedienelemente in der Mittelkonsole und am Lenkrad bei und verwendet einen künstlich erzeugten Klang namens Bentley Dynamic Symphony, der unter Mitwirkung von Schlagzeug-, Bratschen- und Bassgitarrenspielern aufgenommen wurde und deaktiviert werden kann. Zur Ausstattung gehören außerdem 25 Radar- und Sensorsysteme sowie eine Kamera für Fahrerassistenz- und ferngesteuerte Parksysteme, elektrische Türen, ein Glasdach mit umschaltbarer Transparenz und ein optionales Naim-Soundsystem mit 1.780 Watt und 28 Lautsprechern.
Warum ist diese Vorstellung wichtig?
Der Torcal markiert Bentleys Übergang von wiederholten Ankündigungen eines Elektroautos zu einem tatsächlichen Produkt innerhalb einer eigenständigen Modellreihe. Dabei verbindet er eine 800-Volt-Architektur mit sportlicher Leistung und luxuriöser Ausstattung. Eine Bewertung seiner Wettbewerbsfähigkeit bleibt jedoch unvollständig, bis das Unternehmen den Preis, den Liefertermin und die EPA-Werte bekannt gibt und die Abweichung bei der angegebenen Ladezeit erklärt. Auch die Ähnlichkeit der Batterie- und Ladezahlen mit dem Porsche Cayenne Electric, dem Schwestermodell innerhalb der Volkswagen-Gruppe, deutet darauf hin, dass der wesentliche erwartete Unterschied ebenso stark in Design und luxuriösem Erlebnis wie in der Technologie liegen wird.