Das Unternehmen EV Realty hat einen neuen Standort in Ontario, Kalifornien, für die Errichtung eines Ladezentrums für schwere Elektro-Lkw ausgewählt. Damit soll der wachsende Bedarf an Ladeinfrastruktur für Fracht- und Logistikflotten gedeckt werden. Der Standort befindet sich in der 2151 E. Philadelphia Street im Inland Empire, einer Region mit einem der größten Lagerhauscluster an der Westküste der Vereinigten Staaten.
Der Standort ist an die Straßen SR-60 und I-15 angebunden und bietet dadurch direkten Zugang zu Ost-West- sowie Nord-Süd-Transportrouten. Außerdem soll er Flotten bedienen, die zu den Häfen von Los Angeles und Long Beach sowie zu den multimodalen Anlagen in Los Angeles und San Bernardino unterwegs sind. Der Standort liegt etwa drei Meilen vom Ontario International Airport entfernt, der zu den größten Luftfrachtflughäfen der Vereinigten Staaten zählt und von Unternehmen wie UPS und FedEx genutzt wird.
Ein Zentrum für schwere Lkw
Gewerbliche Ladezentren unterscheiden sich von herkömmlichen Ladestationen für Elektroautos, da große Sattelzugmaschinen breite Wendeflächen, geeignete Zufahrten von den Highways sowie ein Design benötigen, das Durchfahrt und Rangieren ermöglicht, ohne den Anhänger abkoppeln zu müssen. Diese Anforderungen gewinnen mit der zunehmenden Nutzung von Elektro-Lkw im regelmäßigen Verkehr zwischen Häfen und Lagerhäusern an Bedeutung.
Patrick Sullivan, CEO von EV Realty, erklärte, Ontario liege am Schnittpunkt des größten Container-Gateways des Landes und der höchsten Lagerhauskonzentration Nordamerikas. Er fügte hinzu, dass der Standort die Fähigkeit des Unternehmens erhöhen werde, beim Start des Betriebs gleichzeitig Lkw mit insgesamt 27 Megawatt zwischen den Häfen und dem Inland Empire zu laden.
Was ändert sich in der Praxis?
Das Projekt kündigt keinen neuen Lkw an, sondern adressiert eine der praktischen Einschränkungen bei der Elektrifizierung des gewerblichen Verkehrs: die Bereitstellung großer Ladeleistungen an den Orten, an denen die Flotten tatsächlich eingesetzt werden. Die Nähe des Zentrums zu Häfen, Flughäfen und Lagerhausnetzen könnte den Bedarf verringern, Lkw zum Laden eigens von ihren Routen abzuleiten, während das spezielle Design die Aufnahme schwerer Fahrzeuge und Anhänger ermöglicht.
Der Schritt erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem sich Unternehmen wie BYD und Volvo auf die Einführung neuer Generationen von Elektro-Lkw vorbereiten. Zugleich hieß es in dem Beitrag, dass der Tesla Semi in die Produktionsphase eingetreten sei, ohne zusätzliche Angaben zum Produktionsvolumen oder zu den Lieferterminen zu machen. Das bedeutet, dass die wachsende Zahl von Fahrzeugen die Bedeutung gewerblicher Ladezentren erhöhen wird, insbesondere in Regionen, in denen Hafenverkehr, Straßentransport und Lagerung zusammentreffen.
Zeitplan und Einschränkungen
EV Realty erwartet, Anfang kommenden Jahres mit den Bauarbeiten am Standort zu beginnen; die Ladegeräte sollen vor 2028 den Betrieb aufnehmen. Der Beitrag weist jedoch darauf hin, dass die Kapazität des Stromnetzes in mehreren Gebieten Südkaliforniens stark eingeschränkt ist. Damit wird die tatsächliche Verfügbarkeit elektrischer Leistung zu einem entscheidenden Faktor für die Umsetzung und den planmäßigen Betrieb des Projekts.
Die verfügbaren Informationen enthalten keine Angaben zur Anzahl der Ladegeräte, zu den individuellen Ladeleistungen, zu den Projektkosten oder zu den Nutzungstarifen. Daher lässt sich derzeit nicht beurteilen, wie viel Energie jede Flotte erhalten wird oder wie schnell die Fahrzeuge im Zentrum abgefertigt werden können. Fest steht bislang nur die Wahl eines Standorts, der einen wichtigen Logistikknoten bedient, verbunden mit dem Versprechen, die gesamte gewerbliche Ladeleistung in der Region zu erhöhen.